Montag , 29 Mai 2017

Google’s Fehlbarkeit: Ein Missverständnis mit gewaltigen Folgen.

Vor wenigen Tagen kontaktierte uns ein junger Mann namens Christian Sever mit der Bitte, wir sollen die Bilder in der Google-Bildersuche zu seinem Namen entfernen. Nach einem kurzen Gespräch wurde klar, weshalb diese Bilder entfernt werden sollten. Doch waren wir zunächst etwas ratlos, wie dazu kommen kann, dass sein Name mit diesen Bildern in Verbindung steht. Durch Zufall entdeckten wir den Grund, der in dieser Form sicher einzigartiger nicht sein kann…

Wenn Google einen Namen falsch interpretiert…

Christian Sever ist ein deutscher Name, wie jeder andere. Doch Google sieht das anders. In der Google-Suche wird Christian Sever nicht als Person erkannt, sondern mit der englischen Phrase „to sever Christians“ (deutsch: Christen durchtrennen) gleichgesetzt, was letztlich dazu führt, dass zu dieser Suchanfrage bis auf ein Ergebnis zur tatsächlichen Person keine passenden Inhalte gefunden werden. Im Gegenteil: Google findet zu [Christian Sever] fast ausschließlich Bildmaterial, das in Zusammenhang mit aktuellen Geschehnissen unter anderem im Nahen Osten steht.

"Sever" im Online-Wörterbuch
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Übersetzung von „Sever“ im Online-Wörterbuch

Nur durch Zufall haben wir die beiden Wörter zunächst getrennt voneinander, anschließend gemeinsam in Online Wörterbücher eingegeben.

Google Translate Übersetzung
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Google Translate Übersetzung

Google denkt also, dass wir nicht nach der Person Christian Sever, sondern nach Bildern, Videos und Webseiten zum Thema „Christen durchtrennen“ suchen. Deutlich wird diese Einschätzung in der Bildersuche.

Christian Sever in der Google Bildersuche
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Christian Sever in der Google Bildersuche

Besonders auffällig ist, dass das Bild des Facebook-Profils der Person, das auf Position 1 in der Google-Websuche gelistet ist, nicht in der Bildersuche zu finden ist. Auch die Bilder anderer Facebook-Profile mit diesen oder ähnlichen Namen, die in den Top-Ergebnissen gelistet sind, kommen in der Bildersuche nicht vor.

Lösungsversuche

Im ersten Schritt wurden die Spracheinstellungen angepasst, da die Fehlinterpretation durch das Missverständnis zwischen deutscher und englischer Suchanfrage entstand. Die Einstellung, Google möge ausschließlich Inhalte in deutscher Sprache anzeigen, hilft zumindest die Websuche von anderssprachigen, nicht-personenbezogenen Ergebnissen zu säubern. Unpassende Webseiten werden dadurch rasch gefiltert.

Christian Sever in der Google Websuche
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Christian Sever in der Google Websuche

In der Bildersuche zeigten die Spracheinstellung keine Auswirkungen, da es hier keine Sprachen gibt. Google orientiert sich hier eher an der Browsersprache beziehungsweise Länderversion der Google-Suche. Deshalb wurden die unangebrachten Bilder auch als solche gemeldet, jedoch ohne Auswirkung.

Google Bildersuche - Bild melden
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Google Bildersuche – Bild melden

Immer noch werden IS-Kämpfer, Syriens Präsident Assad und andere unangebrachte Ergebnisse in Zusammenhang mit „to sever Christians“ – also Christen zerreißen (o.Ä.) – gezeigt.

Google Bildersuche - Einzelansicht
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Google Bildersuche – Einzelansicht

Warum ist das überhaupt ein Problem?

Es ist allseits bekannt, dass bereits viele Arbeitgeber zur Mitarbeiter-Rekrutierung Namen eingehender Bewerbungen durch Google, Facebook und Co. laufen lassen, um sich so ein besseres Bild machen zu können und eventuell auch auszusortieren. Party-Fotos oder andere Bilder werden schnell zum Ausschlusskriterium. Doch wie ist es mit Bildern, die in Verbindung zu Terrorismus und anderen Grausamkeiten stehen? Sicherlich wird es nicht positiv sein.

Wie kann es zu dieser Fehleinschätzung kommen?

Eine große Frage nach der Ursache dieser Fehlinterpretation von Google ist wohl, wie Google in der österreichischen Suche auf google.at der Meinung sein kann, dass Bilder von anderssprachigen Webseiten in diesem Fall passend sein könnten. Wohlgemerkt, dass Google davon ausgehen sollte, dass für jemanden, der als Spracheinstellung Deutsch wählt und in Österreich sucht, vorwiegend deutsche Ergebnisse relevant sein werden. Natürlich spielen das Suchvolumen zu dieser Anfrage und die User-Signale, wie Klicks in den Suchergebnissen, eine große Rolle.

Ab wann ist man für Google eine Person?

Ein weiterer Punkt, der auffällt, ist die Vielzahl an Facebook-Profilen, die sich im Google-Index zu diesem Namen befinden. Mit dem Namen Christian Sever sind mehrere Personen auf Facebook und in anderen Netzwerken vertreten. Kann Google also durch diese Personenprofile im Internet nicht erkennen, dass es sich tatsächlich um Personen handelt? Oder will Google Personen nur aufgrund eines Facebook-Profils nicht auch als solche wahrnehmen?

Es sollte doch auch im Interesse von Google und anderen Suchmaschinen und Netzwerken sein, dass derartige Fehlinterpretationen nicht auftreten. Google selbst bietet zu Fällen wie diesen jedenfalls keine Lösungen an. Vom Support-Team hieß es, man könne dazu keine Auskunft geben. Was kann man also tun?

Lösungsansätze

Die Lösung dieses Problems ist in jedem Fall mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden, sofern Google nicht selbst eine schnelle Lösung parat hat. Die gezeigten Bilder als „unangebracht“ zu melden hat, wie bereits erwähnt, noch keine Erfolge erzielt.

Maßnahmen, die man ergreifen sollte:

  1. Google durch eindeutiges Erkennen der Peron dafür sensibilisieren, dass es sich tatsächlich um eine reale Person handelt. In diesem Fall würden Bilder und Webinhalte von eben dieser Person in der Suche des jeweiligen Landes besser positioniert werden und letztlich die unpassenden Ergebnisse zumindest teilweise verdrängen. Sich als Person zu positionieren ist unter anderem durch das Anlegen und Bestätigen eines Google+ Profils möglich. Zusätzlich sollten weitere Profile folgen, wie etwa auf Xing, Linkedin und Twitter. Diese Profile werden mit biographischen Inhalten und Bildmaterial befüllt. Langfristig könnten diese Maßnahmen zu einer (teilweisen) Lösung des Problems führen.
  1. Die wohl aufwendigste Maßnahme ist es eine Website zu erstellen, die inhaltlich auf den Namen in der passenden Sprache optimiert ist. Würde Christian Sever etwa eine Website unter der Domain christiansever.com erstellen und dort Informationen über sich selbst platzieren, dürfte diese Website in absehbarer Zeit zum Suchbegriff [Christian Sever] gefunden werden. In Kombination mit dem 1. Lösungsansatz (siehe oben) kann die Verdrängung der unangebrachten Inhalte beschleunigt werden. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Fazit:

Google scheint nicht in der Lage zu sein eine Person anhand eines Facebook-Profils eindeutig als Person zu erkennen und vermischt deutsche Suchanfragen mit englischen Begriffen, die das Thema gänzlich verfehlen. Nach diesem Fall könnte man meinen, dass der Ort, von wo aus eine Suchanfrage gestellt wird, und die Sprache, in der sie gestellt wird, doch weniger Einfluss auf die Suchergebnisse nehmen, als bisher angenommen. Die Sprache der Websuche ist nicht gleichzusetzen mit der Sprache der Bildersuche.

Wir werden weiterhin an diesem Fall dranbleiben, bis es eine Lösung im Fall „Christian Sever“ gibt.

Daniel Herndler
Daniel ist Senior SEO Manager bei der get on top gmbh. Zu seinen Kerntätigkeiten zählen die Entwicklung von globalen SEO-Strategien und Konzepten, das Erschließen neuer Möglichkeiten zur Verbesserung der Sichtbarkeit von Webseiten und die Analyse, Auswertung und das Monitoring der SEO. Daniel tritt zudem auf Fachkonferenzen als Speaker zum Thema Suchmaschinenmarketing & - Optimierung auf. Zu seinen Lieblingsthemen zählen unter anderem die OnPage SEO und Conversational & Semantic Search.
Daniel Herndler

6 Kommentare

  1. Die Lösung ist ein Google Plus Konto einzurichten und seinen persönlichen Brand aufzubauen. Google wird solange die Schlüsselwörter falsch verstehen, solange es stärkere Signale aus einer anderen Richtung erhält.
    Dem kann man mit einem Google Plus Konto einfach entgegenwirken, wie man an meinem Beispiel sehen kann:

    https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=Elke+Greim

    Einen persönlichen Brand aufzubauen funktioniert natürlich auch mit Facebook oder anderen Sozialen Netzwerken. Auch diese werden in Teilen von Google indexiert und in den Suchmaschinen aufgenommen.
    Allerdings hat Google nicht 100% Zugriff auf andere Soziale Medien, daher ist Google Plus für das persönliche Branding immer vorzuziehen.

    Viele Grüße

    Elke Greim
    LISA! Sprachreisen

  2. Hallo Elke,

    danke für deine Nachricht. Eben das ist auch der Lösungsvorschlag, den wir kommuniziert haben. Eine Kombination aus einer kleinen „Über mich“ Seite mit diesen sozialen Profilen ist sicherlich der einfachste und schnellste Weg. Aber dennoch kann man hier keine Lösung von heute auf morgen erwarten.

    Liebe Grüße,
    Daniel

  3. Sehr interessanter Artikel! Echt toll, dass auf diese Thematik aufmerksam gemacht wird. Vor allem zeigt er, dass es leider nicht immer ausreicht seine Daten nur bis zu einem gewissen Ausmaß bekannt zu geben. Obwohl es mittlerweile ein Muss ist, darauf zu achten welche Daten man über sich selbst preisgibt. Auch dieses Bewusstsein sollte weiterhin gestärkt werden. Mich würde interessieren, wie in diesem Fall dann weiter vorgegangen wurde?

  4. Harte Story! Das mit der About-Seite bzw. einem Profil ist auch mein erster Gedanke gewesen. Ist sicherlich kein Einzelfall, deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass Google die semantische Annotation (structured data) forciert. Da könnte die Person dann als Person annotiert werden und die Zuordnung von Namen ist eindeutig.

    Es existieren – neben den Google Dienstleistungen – bereits genügend Tools um die Daten semantisch aufzubereiten (RDFa, Microdata, JSONLD, …)

    Viele Grüße
    Christoph

  5. Hallo Kerstin,

    danke für dein Feedback!
    Wir haben dem Kollegen unsere Meinung dazu mitgeteilt, doch weiß ich persönlich auch noch nicht, was weiter gemacht wurde.
    Ich bleibe auf jeden Fall dran – will ja auch wissen, wie die Story ausgeht 😉

    LG Daniel

  6. Das ist wirklich ein besonderer Fall eines so genannten Homonyms. Wenn dann ein Begriff noch sprachübergreifend mehrere Bedeutungen trägt, wird es noch spannender. Als Mensch orientiert man sich am Kontext und die Vorschläge (Google Plus Profil – am besten mit guten Bildern!, Rich snippets, eigene URL) gehen genau in diese Richtung. Wenn es Google mit seinem Qualitätsstreben ernst ist, sollte es gerade in solchen Fällen zeigen, dass es Lösungen findet. Auf jeden Fall wäre es schön zu erfahren, wie es weiterging.

    Viele Grüße
    Gerd