Sonntag , 18 Februar 2018

Pinterest – Grundlagen des visuellen Social-Media-Marketings

Move Over, Zuck

Zufrieden lächeln Evan Sharp und Ben Silverman von dem Cover der Novemberausgabe des Forbes-Magazins. Zu Recht wurde dieses Bild ausgewählt – haben die beiden auch jeden Grund zur Freude. Laut Forbes haben Pinterest-User bis zum heutigen Tag mehr als 750 Mio. Boards mit mehr als 30 Milliarden Pins kreiert. Als wären diese Zahlen nicht schon genug, kommt noch eine weitere unglaubliche hinzu. Jeden Tag vergrößert sich das Netzwerk um fast 54 Mio. neue Pins. Geht es nach eMarketer zählt das Netzwerk am Ende des Jahres knapp 40 Mio. User. Gegenüber 2013 entspricht das einer Zunahme von knapp 15 %. Alleine aus diesen Zahlen, zeichnet sich das zukünftige Potential des Netzwerks ab. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und nutzen die virtuelle Pinnwand für ihre Marketingkampagnen.

Quelle: www.forbes.com
image-10508

Quelle: www.forbes.com

Die Accounts sind amerikanisch

Genauso wie bei den Usern gibt es auch bei den Unternehmen eine eindeutige geografische Zuordnung. Das Foto-Sharing-Netzwerk zählte Mitte dieses Jahres knapp 70 Millionen registrierte und 20 Millionen aktive Nutzer. 70% der davon registrierten Accounts lagen innerhalb der USA. Woran liegt es, dass europäische Unternehmen Pinterest als Marketingkanal noch nicht so nützen wie amerikanische Unternehmen? In einem Interview mit Gründerszene.de erklärt Jan Honsel, der seit August Pinterest Country-Manager für Deutschland ist, dass das darin liegt, dass Pinterest sich in den letzten Jahren intensiver auf die Produktentwicklung und den US-Markt konzentriert hat. Nichtsdestotrotz gibt es auch viele gute Beispiele von europäischen Unternehmen, welche das visuelle Marketing auf Pinterest nutzen und einen eigenen Unternehmensaccount dafür eingerichtet haben. Ein Beispiel dafür ist Red Bull. Der Energie-Drink-Hersteller, der eigentlich schon seit Jahren eher durch sein intelligentes Marketing für Furore gesorgt hat als durch sein eigentliches Produkt, hat auch hier die Nase vorn. Ein weiteres Beispiel für eine gelungene visuelle Darstellung im Netz ist Mercedes. Der Automobilhersteller stellt das Sortiment sowie die Produktvielfalt im Netzwerk in den Vordergrund. Zwei europäische Unternehmen zeigen wie es geht, sich visuell im Netz zu präsentieren und das obwohl ein Getränke- sowie Automobilhersteller auf den ersten Blick nicht unbedingt die Zielgruppen der User bei Pinterest ansprechen. Beide Unternehmen halten sich aber zumindest an eine der vielen Regeln, die man in Bezug auf Pinterest einhalten sollte – nämlich die Qualität der Bilder muss stimmen.

Was ist zu beachten?

Mitmachen bei Pinterest ist einfach. Ein Unternehmen richtet sich ein Unternehmensprofil für sich und/oder seine Marke ein und erstellt dort eigene Pinnwände (Boards) mit Bildern und Videos. Die Unternehmen können entweder auf unternehmenseigene Bilder zurückgreifen (zB von der Homepage) oder auf externe Bilder, die einfach auf Pinterest upgeloaded werden. Für jedes Board gibt es ein Cover-Bild, das als Einstieg und Eye-Catcher der diversen Pinnwände dient.

Für welche Unternehmen ist Pinterest nun interessant? Besonders für sehr visuelle Branchen, in denen es von Haus aus wichtig ist, wie etwas aussieht oder dargestellt wird. Das ist insbesondere in Bereichen wie Fashion, Lifestyle & Beauty der Fall.

Ebenfalls sehr geeignet sind Branchen, deren Leistungen bzw. Produkte sich visuell gut veranschaulichen lassen. Durch die besonders gute visuelle Präsentation haben diese Unternehmen im Netzwerk einen Vorteil. Hierzu zählen beispielsweise Möbel, Dekoration, Pflanzen, Reisen, Schmuck, diverse Gadgets und Accessoires.

Wie bereits erwähnt, gibt es gewisse Regeln an die man sich als Unternehmen halten soll, wenn man Pinterest erfolgreich als Marketingkanal nutzen will. Ein wichtiger Punkt wurde bereits angesprochen: Die Qualität der Bilder. Zusätzlich dazu gibt es noch weitere Tipps und Tricks die wichtig sind, um die Marketing-Möglichkeiten, die Pinterest Unternehmen bietet, am besten für sich zu nutzen:

1. Reichweite schaffen

Die Bilder und Videos müssen eine bestimmte Qualität aufweisen, damit diese den User ansprechen und er sie auf seinem Board pinnt. Aber ein Pin alleine schafft noch nicht die Reichweite, die sich Unternehmen wünschen. Das Ziel ist es, eine größtmögliche Reichweite mit seinen Bildern zu erzielen. Deshalb ist es wichtig, die Bilder und Videos mit einem Text zu versehen und eine Verlinkungsmöglichkeit zB durch Hashtags und die URL des Unternehmens oder der Markenhomepage zu schaffen.

Folgt ein User einem Board des Unternehmens, werden die Bilder automatisch im Stream des Users angezeigt. Hier spielt insbesondere die Homepage des Unternehmens eine wichtige Rolle, da Bilder direkt von der Homepage geteilt werden können. Diese Homepage-Bilder sind für die Gesamtreichweite entscheidend. Die User bzw. die Follower dienen durch das Pinnen der Bilder als Multiplikatoren. Reichweite entsteht insbesondere durch Repins der User, jedoch sind die Repins wiederum abhängig von den Pins. Gibt es wenige Pins von Usern, gibt es folgendermaßen auch weniger Möglichkeiten für Repins anderer User. Deshalb gilt es auch, das Pinnen für User auf der Homepage so einfach wie möglich zu machen. Zoomfunktionen der Bilder oder mouse-over können hier Hindernisse darstellen.

2. Community-Management

Um zusätzliche Reichweite zu schaffen, ist es neben den bereits erwähnten Punkten auch wichtig, dass Unternehmen ein ständiges Community Management auf Pinterest betreiben. Unternehmen müssen Follower generieren und auch selbst aktiv dazu beitragen ihre Pins zu verbreiten. Zusätzliche Reichweite kann ein Unternehmen schaffen, in dem es selbst zu einem Follower wird und besonders reichweitenstarke Pins pinnt. Das ist insbesondere solange notwendig, solange es bei Pinterest noch keine Promoted-Pins gibt, durch welche sich Unternehmen die Anzeigen ihrer Bilder bei anderen Nutzern kaufen können.

3. Pinterest-Analysen

Pinterest stellt Unternehmen die Pinterest Analytics zur Verfügung. Hier können Unternehmen Daten über die Anzahl der Pins und Repins auswerten, erhalten Daten der Zielgruppe sowie Infos zu den Aktivitäten anderer verbundener Websites. Eine Analyse über die Anzahl der „Klicks“, die Anzahl der Besucher, die durch Pinterest auf die eigene Unternehmens- oder Markenhomepage gekommen sind sowie weitere Daten zu den Aufrufen nach Pins bzw. Boards. Außerdem ermöglicht es einem die sogenannten „Power-Pins“ zu identifizieren, jene Pins die sich durch besonders viele Likes, Klicks und Repins auszeichnen. Eine regelmäßige Analyse ermöglicht eine gute Marketingkontrolle und Steuerung der Aktivitäten auf der Plattform.

Weiter Tipps hierzu finden sie unter Futurebiz.com.

Visuelles Storytelling – das Produkt ist der Star

Wie man an den oben erwähnten Tipps und Tricks sehen kann, legen eine richtige technische Einbindung sowie die Qualität der Bilder und Videos den Grundstein für den Erfolg einer gelungenen Marketing-Kampagne hinsichtlich der Umsetzung bei Pinterest. Darüber hinaus gibt es aber weitere Erfolgsfaktoren, die Unternehmen bei der Präsentation berücksichtigen sollten.

Beschäftigt man sich mit der Content-Produktion für digitale Medien stößt man immer öfters auf den Begriff des Storytellings. ContentGarden.com beschreibt das Digital Storytelling wie folgt: „Beim Digital Storytelling geht es darum, die User in eine Geschichte eintauchen zu lassen. Sie sollen sich mit den Inhalten und Protagonisten identifizieren und letztendlich auch mit der beworbenen Marke; wobei diese meist in den Hintergrund tritt. Werbung wird nicht mehr als solche empfunden, da wir mit dem Helden mitfühlen und emotional mit ihm verbunden sind.“

Diese Idee trifft an und für sich auch für das visuelle Marketing zu. Die Umsetzung ist jedoch etwas schwieriger, da die Darstellung einer Geschichte etwas limitiert ist. Man verlässt sich hauptsächlich auf die Kraft des Bildes – und Bilder wie wir wissen „ sagen mehr als tausend Worte“. Bei der Präsentation des Produkts oder der Leistung durch Bilder, sollten auch diese die Stars sein. Hier besteht die Kunst darin, das Produkt in den Mittelpunkt zu stellen und trotzdem nicht zu offensichtlich oder zu plump in den Vordergrund zu drängen. Wie gekonntes visuelles Marketing auf Pinterest im Sinne eines Storytellings aussehen kann, zeigt die Bekleidungsmarke Forever 21. Die einzelnen Pinnwände wurden nach Themen unterteilt und sollen zeigen, welche Kleidung für ein bestimmtes Event oder in welcher Saison getragen werden kann und schafft so eine eigene kleine Geschichte zu den jeweiligen Themen. Es gibt beispielsweise Boards zum Thema „Forever Festival“, wo Bilder gezeigt werden, welche Outfits auf einem Festival getragen werden können. Weiters gibt es Themen wie „The Men´s Guide“ oder „The Active Life“, wo es um Sportbekleidung geht und welches mit dem gleichnamigen Hashtag hinterlegt ist. Klickt man hier weiter, findet man zu den möglichen Sportoutfits auch zusätzliche Pins von Magazinen mit Übungen für den perfekten Körper, Tipps für eine gesunde Ernährung sowie Pins mit Sportartikeln inklusive Links zum Onlineshop.

Mit dieser Präsentation der Produkte hat Forever 21 sehr großen Erfolg im Netz, wie man an den fast 200.000 gewonnen Followern sehen kann.

Forever 21
image-10509

Forever 21

Forever 21

Forever 21

De Facto

Weitere interessante Facts zu Pinterest (Quelle: Knallgrau.at):

  • Userzahlen: Aktuell weltweit mehr als 70 Millionen User
  • 16 Minuten: Die durchschnittliche Verweildauer von Usern auf Pinterest
  • 36% mehr Likes bekommen Pins, welche einen Preis enthalten
  • 84% der Nutzeraktivität stellt das Pinnen und (Re-)Pinnen dar
  • Die Chance, dass ein User ein Produkt kauft, ist zu 70% höher, wenn er von Pinterest auf eine Website kommt
  • 25-34 jährige stellen die Hauptzielgruppe auf Pinterest dar
  • Food-Brands haben das größte Potential auf Pinterest – 57% aller User interagieren mit Food-related Content

Fazit

Durch die enormen Wachstumsmöglichkeiten der Online-Plattform sowie den Bestrebungen der Gründer, wie auf wsj.de berichtet wurde, das Online-Marketing zu revolutionieren, wird marketingtechnisch in Zukunft sicherlich noch einiges auf Unternehmen zukommen. Einige Unternehmen machen es jetzt schon vor, wie man die Plattform erfolgreich nutzt. Eines steht aber fest: Größere Unternehmen und Unternehmen, deren Produkte bzw. Leistungen ins Profil der Online-Plattform passen, werden es sich in Zukunft kaum leisten können, einen zusätzlichen Marketingkanal im Web einfach zu ignorieren.

Info: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Lehrveranstaltung

 

Birgit Steinwandtner

Birgit Steinwandtner

Birgit Steinwandtner

Latest posts by Birgit Steinwandtner (see all)