Dienstag , 20 Februar 2018

Killt Facebook die Facebook-Apps?

Kürzlich hat Facebook die neue Version der Graph API (v2.1) angekündigt. Neben ein paar netten Erweiterungen (Page-Mentions sollen auch über Third-Party-Apps möglich werden) betreffen die Änderungen wohl hauptsächlich Entwickler. Aber dann der große Schlag: Die Abfrage des „liked“- Felds liefert ab 05. November 2014 nur noch true zurück bzw. wird bei neuen Apps gar nicht mehr geliefert. Zu technisch? Das klassische Fangate ist damit Geschichte, weil Facebook nicht mehr abfragen lässt, ob der Benutzer einer App bereits Fan der Seite ist, auf der sie eingebunden ist.

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Mit dem Verschwinden der Fanabfrage sind alle Facebook-Apps für alle User „offen“

Facebook-Apps, Page-Tabs, Microsites?

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte ich Begriffe vorab klar definieren: Grundsätzlich spricht Facebook immer von Apps, sobald eine Verbindung über die API hergestellt wird. In diesem Blogpost geht’s mir vor allem um Page-Tabs, also Apps, die auf Facebook-Pages eingebunden werden.

Facebook-Apps bekommen immer weniger Relevanz

Zuerst wurde der Landingtab – kann sich daran noch jemand erinnern? –  abgeschafft. Mit der Lockerung der Gewinnspielrichtlinien wurden entsprechende Formulare überflüssig (und auch uninteressant, sehr zum Bedauern der Lead-Generatoren). Beim letzten Redesign der Pages wurden dann die Icons an eine lächerlich unwichtige Stelle verschoben. Und jetzt wird auch noch das Fangate ausgeschaltet.

Facebook möchte eindeutig, dass die Benutzer die volle Facebook-Experience bekommen und nicht mehr von Microsites abgelenkt werden. Damit nähert man sich auch der Strategie anderer Social Networks an: beispielsweise Twitter, die sich zwar immer weiter öffnen (z.B. durch Bildcollagen), aber vom Grundgedanken (Kurznachrichten) nicht abweichen.

Quo vadis, Facebook-Apps?

Was passiert also mit Page-Tabs? Sinnvollster Einsatz ist wohl weiterhin die der Landingpage für Facebook-Ads: Wenn die Plattform nicht verlassen wird, ist eine Unterbrechnung des gewünschten Flows durch den User weniger wahrscheinlich. Allerdings funktioniert dies nur auf der Desktop-Variante, was das Ganze wiederum etwas ad absurdum führt.

Abseits von Page-Tabs werden Apps natürlich weiterhin eine wichtige Rolle einnehmen: Spiele und Social Apps sind ja nach wie vor ungebremst und allen liegt – wie bereits oben erwähnt – eine App zugrunde.

Was bedeutet das für Betreiber von Facebook Pages?

Wer nach den letzten Entwicklungen (siehe oben) noch voll auf Facebook-Apps gesetzt hat, ist selbst schuld. Da sie aber mobil ohnehin nie funktioniert haben, war eine derartige Strategie ohnehin bereits seit Jahren outdated. Facebook-Apps bieten zwar weiterhin eine Möglichkeit, die Experience der Fans zu erweitern, allerdings kann niemand mehr zu etwas gezwungen werden.

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Strategien, die auf Facebook Apps aufbauen, sollten dringend überdacht werden

Dies kann jedoch dazu führen, dass die Anzahl der Likes einer Seite wieder zu einer aussagekräftigeren Metrik wird (allerdings erst mittel- bis langfristig): Wenn man mit Gewinnspielen hinter Fangates nicht mehr auf Like-Fang gehen kann, werden Fans nur noch durch guten Content zu gewinnen sein.

Wichtig zu wissen ist, dass Apps, die bisher ein Fangate eingesetzt haben, auch nach dem 05. November 2014 noch funktionieren werden. Es stellt sich aber die Frage, ob Facebook-Apps für Seitenbetreiber in Zukunft überhaupt noch eine Rolle spielen. App-Generatoren wie Shortstack haben das schon lange erkannt und ihr Angebot entsprechend erweitert.

Eure Meinung zu Facebook-Apps

Was ist eure Meinung zu Facebook-Apps? Sind sie dem Tode geweiht oder nach wie vor sinnvoll? Wenn letzteres: Für welche Zwecke? Freue mich über Kommentare und Diskussionen, gerne auch über Twitter.

Paul Lanzerstorfer
Paul Lanzerstorfer ist Geschäftsführer der Linzer Online-Marketing-Agentur Pulpmedia. Gegründet 2005 gemeinsam mit seinem ehemaligen Studienkollegen Robert Bogner, bietet die Agentur 360°-Online-Marketing an – von Web Development über Social-Media-Betreuung und Videoproduktion bis Consulting. Lanzerstorfer hat Medientechnik und -design an der FH Hagenberg studiert und Auslandserfahrung als Online-Marketing-Manager bei Room9 Ltd. in Neuseeland gesammelt. Auf webmarketingblog.at konzentriert er sich auf das Thema Social Media Marketing.
Paul Lanzerstorfer
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