Mittwoch , 18 Oktober 2017

(not provided): Google-Keywords, adieu?

Kein Geburtstagsgeschenk für SEOs: Alle Daten zu organischen Google-Keywords werden in Kürze aus unseren Web Analytics Tools verschwinden. Geschockt? Lesen Sie hier über mindestens drei Ideen und Alternativen, die uns Online Marketer dennoch nicht verzweifeln lassen!

Welcher SEO hatte es bis heute nicht auf seiner täglichen ToDo-Liste? Mal eben schnell in Google Analytics nachschauen, über welche Suchbegriffe die Besucher auf die Webseite gekommen sind. Bequem segmentieren nach „Brand“- und „Non brand“-Keywords und daraufhin analysieren, wo es Erfolge und Traffic-Zuwachs, negative Trends oder neues Potenzial gibt. Leider können wir diesen bisher gewohnten und beliebten Task schon allzu bald vergessen, weil statt allen Keyword-Details nur mehr ein knappes (not provided) in den Reports zu finden sein wird. In den vergangen Wochen und somit kurz vor seinem 15. Geburtstag hat Suchmaschinenriese Google nämlich still und leise damit begonnen, auch die Suchanfragen seiner nicht eingeloggten User auf die verschlüsselte SSL-Technologie umzustellen.

SSL-Verschlüsselung bei Google auch für nicht eingeloggte User

Auch nicht eingeloggte Google-User suchen ab sofort per „https“-Verschlüsselung.

Auch nicht eingeloggte Google-User suchen ab sofort per „https“-Verschlüsselung.

Suchmaschinen-Experte Danny Sullivan hatte diesen durchaus überraschenden Umstellungsvorgang erst vor wenigen Tagen bemerkt und in seinem Blog darauf aufmerksam gemacht. Er spekuliert auch über die Hintergründe: Während Google vor allem darauf besteht, dass es „gut für die User“ sei, so viel wie möglich Suchanfragen über SSL abzuwickeln, vermutet Sullivan zum einen unmittelbare Zusammenhänge mit dem PRISM-Spionageprogramm. Über die im Zuge der Umstellung auf eine „sichere“, weil verschlüsselte Suche erhaltene PR könnten die Sicherheitsbedenken einiger User reduziert werden. Zum anderen wirft er die Frage auf, ob Google damit nicht sein kostenpflichtiges AdWords-Werbeprogramm weiter stärken möchte. Dessen Kunden erhalten nämlich nach wie vor jede Menge Einblicke in die Keyword-Daten ihrer Webseiten-Besucher, sowohl direkt im Anzeigentool als auch in Google Analytics.

Not Provided Anteil bei Google Analytics

Laut dem Webdienst http://www.notprovidedcount.com sind alle organischen Keyword-Daten in Google Analytics aus heutiger Sicht spätestens am 19. November 2013 passé.

Laut dem Webdienst http://www.notprovidedcount.com sind alle organischen Keyword-Daten in Google Analytics aus heutiger Sicht spätestens am 19. November 2013 passé.

Während diverse Branchenmedien weiter im Detail über die Hintergründe nachdenken, möchte ich hier in die Zukunft blicken. Diese – zunächst für viele schockierend klingende – Nachricht bedeutet aus meiner Sicht auch Folgendes:

  • Nein.  SEO ist dadurch (wieder einmal…) nicht „tot“!
  • Ja. Die Messung von SEO-Erfolgen wird sich dadurch verändern!
  • Und: Nicht alle Keyword-Daten sind damit passé!

Wir SEOs und Online Marketer erhalten also vielmehr eine große Chance, die Leistungskennzahlen (KPI) im SEO-Bereich für unsere Kunden wieder einmal zu überdenken!

  • Was bringt steigender Traffic über spezielle Keywords, wenn die so gewonnen User sofort wieder abspringen bzw. schlechtere Conversion-Raten aufweisen?
  • „Long Tail“-Keywords schön und gut. Aber wie viele konkrete Optimierungsmaßnahmen wurden aus den unzähligen im Report dargestellten Mehrwort-Suchanfragen mit jeweils einem Besuch tatsächlich abgeleitet?
  • Auch Brand-Traffic ist wichtiger organischer Traffic. Schließen wir solchen in bisherigen Analysen nicht gerne aus, weil ohnehin als „selbstverständlich“ abgetan?
  • Um die allgemeine organische Sichtbarkeit einer Webseite zu bewerten, gibt es nach wie vor gute alternative Tools.

Das sind nur ein paar Punkte, die über den bald hundertprozentigen Keyword-„Blindflug“ in Google Analytics hinwegtrösten könnten. Immerhin wird es ja weiterhin die Möglichkeit geben, den organischen Suchmaschinen-Traffic an sich separat auszuwerten. Solange dessen Besucher-Trends und On-Page KPI weiter im „grünen Bereich“ liegen, können SEOs zumindest auf diese Erfolgskomponente auch weiterhin zählen.

Keyword-Daten in Google Webmaster Tools
image-8828

Die Google Webmaster Tools liefern auch weiterhin Informationen zu Suchanfragen, für die Ihre Webseite Impressionen und Klicks erhalten hat.

Die Google Webmaster Tools liefern auch weiterhin Informationen zu Suchanfragen, für die Ihre Webseite Impressionen und Klicks erhalten hat.

Und wie bereits zuvor angesprochen gibt es mehrere „Auswege“. Zwei davon stammen praktischerweise ebenfalls von Google. Das Unternehmen beweist damit, dass Keyword-Details zumindest innerhalb seiner Serverfarmen weiterhin in Hülle und Fülle vorhanden sind:

  1. Google AdWordsDort wird es auch weiterhin jede Menge Keyword-Daten geben. Klar, es handelt sich um die Bezahlvariante, um in Suchmaschinen gelistet zu werden. Und man möge Google unterstellen, dass sie die organischen Keyword-Details auch deshalb entfernen, um mehr AdWords-Kunden zu gewinnen. Aber AdWords war im Vergleich zu organischem Traffic immer zumindest einen Schritt schneller, was die Gewinnung neuer Webseiten-Besucher bzw. Kunden – und die damit einhergehenden wichtigen Keyword-Einblicke – betrifft.
  2. Google Webmaster ToolsAuch dort haben Webseiten-Betreiber nach wie vor kostenlos die Möglichkeit, Informationen zu organischen Suchanfragen zu erhalten. Leider nicht so detailliert wie bisher aus Google Analytics gewohnt, aber dennoch mit wichtigen Leistungsdaten wie Impressionen, Klicks und Klickraten für die Top-Suchanfragen der letzten 90 Tage.
  3. User SurveysWarum nutzen Sie im Rahmen dieser Veränderung in der quantitativen Analyse nicht die Möglichkeit, einen Schritt hin zu qualitativen Analysen zu machen? Quälen Sie sich nicht weiter durch tausende Suchanfragen-Details, sondern fragen Sie lieber ein paar hundert „echte“ Webseiten-Besucher nach Ihren Bedürfnissen: „Wie haben Sie unsere Seite gefunden?“, „Was gefällt Ihnen gut?“ oder „Was vermissen Sie?“. Ich bin mir sicher, dass diese neuen Tools künftig noch in Ihrer Bedeutung wachsen werden, wenn es darum geht, die Absichten und „Gedanken“ Ihrer Besucher besser zu verstehen sowie Barrieren und Probleme auf der Webseite aufzuzeigen.

Google Analytics Konferenz Wien 2013Auf der von der Salzburger Internet Agentur elements co-veranstalteten Google Analytics Konferenz, die am 8. Oktober 2013 in Wien stattfindet, wird unter anderem auf dieses brandheiße Update in der Suchmaschinen-Branche näher eingegangen. Einer der Tracks widmet sich voll und ganz dem Thema „not provided“. Restkarten sind noch erhältlich!

Thomas Sommeregger
Thomas Sommeregger ist bereits seit mehr als 15 Jahren im Online Business aktiv. Seine Fachkenntnisse in den Bereichen Performancemarketing, Web Analytics und Conversion Optimierung stellt er unter anderem als Co-Autor des im Februar 2015 im Rheinwerk Verlag erschienenen Buches Google AdWords sowie als CMO bei elements.at unter Beweis. Die Salzburger Internetagentur ist Google-zertifizierter Partner für AdWords und Analytics und zählt damit in der Disziplin des digitalen Marketings zu den ersten Adressen in Westösterreich.

17 Kommentare

  1. Hi, mal ne ganz simple Frage: unter welchem Menüpunkt ist denn das mit den Branded/Non Branded Keywords in der Englischen Öberfläche versteckt?

  2. guter Überblick, vielleicht ist ja alles doch nicht so ganz furchbar schlimm, wie teilweise in der SEO-Szene getan wird.
    Auch in Zukunft gerichtet frage ich mich, ob überhaupt und wenn ja wie viel Prozent uns aus provided keywords mittel- und langfristig überbleiben: für bestimmte Fragestellungen reicht es vollkommen, wenn man eine Stichprobe im 2-stelligen Prozentbereich hat.

  3. Hallo, für mich ist der Grund, warum Google das macht, ein Rätsel. Aber kein Grund zu verzweifeln. Probiert doch einmal die Webmastertools von Bing aus. natürlich ist eine Auswertung nicht mit Google zu vergleichen da die gesammelten Daten anders sind, aber für einen Überblick reicht es bei weitem. Bing bietet übrigens auch ein eigenes Keyword Tool an

  4. Hallo Axel,
    den organischen Keyword-Report findest du in Google Analytics einfach unter Traffic>Sources>Search>Organic. Für Brand/Non brand gibt es keine vordefinierten Menüpunkte, hier musst du dir entsprechende Filter „basteln“, welche die Markenbegriffe deines Unternehmens ein- bzw. ausschließen. Ich hoffe, das hilft dir weiter. Viele Grüße, Thomas – PS: Auch wenn künftig weniger bis gar keine Keyword-Daten mehr zu finden sein werden, die historischen Infos und Keywords bleiben jedenfalls bestehen und helfen bestimmt auch weiter.

  5. Danke Martin, nicht zu vergessen, dass die historischen Keyword-Daten ja vorhanden bleiben und einem damit noch jede Menge Input liefern sollten. Plus natürlich dein Argument, dass vielleicht 10-20% verbleibende Keyword-Daten für bestimmte Stichproben ebenfalls reichen könnten.

  6. Update: Obenstehender Tipp Nr. 2 könnte möglicherweise bereits wieder obsolet sein, den auch in den Google Webmaster Tools fehlen lt. SearchEngineLand und einer persönlichen Stichprobe seit ein paar Tagen die Keyword-Daten: http://searchengineland.com/google-webmaster-tools-blocks-keywords-173153

  7. Die User Surveys würden ja aber auch bedeuten, daß man noch häufiger (und dann wahrscheinlich auch wieder aufdringlicher) nach seiner Meinung gefragt wird.
    Und ich bin mir ganz sicher, dßa Google damit auch sein eigenes Produkt stärken wollte. Die SERPs sehen ja mittlerweile teilweise auch sehr googlefreundlich aus. Bis man das erste richtige Suchergebnis gefunden hat hat man Above the Fold aber schon sehr verlassen.
    Aber auch wenn Analyticsdaten nicht ganz so ausführlich sind wie vielleicht die Daten die man selber gewonnen hat: Damit arbieten kann man schon.
    Gruß, Max

  8. Vielen Dank für den sehr anschaulichen Artikel. Ich glaube auch, dass es eine direkte User-Ansprache nicht der richtige Weg ist. Wenn der User sich auf einer Seite „wohlfühlt“ bleibt er darauf und surft weiter, wenn nich – ein Klick.

    Gruß
    Micha

  9. Noch einen ergänzenden Satz zu der Alternative „Webmaster Tools-Daten“: Hier muss man sagen, dass sich daraus nicht erkennen lässt, welche Keywords zu Konversionen führten oder mit welchen Keywords welche Umsätze generiert wurden (wie bei Analytics bisher möglich).

  10. Und ich hatte mich schon gewundert, warum meine spannendsten keywords (wie gemafreie musik, filmmusik etc.) nicht mehr bei Analytics auftauchen. Danke für den Artikel, auch wenn das Ganze doch recht ärgerlich ist. Webmastertools gut und schön, aber das ist halt leider kein Ersatz. Schade.

  11. Danke für den ausführlichen Artikel, den ich so schön aufbereitet nirgends sonst gefunden habe.

    Zu dem Punkt:
    „„Long Tail“-Keywords schön und gut. Aber wie viele konkrete Optimierungsmaßnahmen wurden aus den unzähligen im Report dargestellten Mehrwort-Suchanfragen mit jeweils einem Besuch tatsächlich abgeleitet?“

    Das ist richtig. Viele der erfassten Daten werden nicht für konkrete Maßnahmen genutzt.
    Eine meiner konkreten Optimierungsmaßnahmen war die Anpassung von SEO-Template-Texten. Bestimmte sich wiederholende Keywords, die viele Leute gerne zu ihrer Suchanfrage ergänzen, wurden verstärkt eingebaut.

  12. Danke Johann!
    In der Tat. Analytics-Guru Avinash Kaushik spricht dabei gerne und häufig von „Data puking“. Also möglichst viele Daten zu erfassen und reporten, aber dann nicht wirklich Maßnahmen daraus ableiten.
    Sobald du auch nur kleinste Learnings aus den Reports ziehst und zB deine Templates optimierst, ist das eine sehr gute Vorgehensweise!

  13. „Data puking“ – großartiger Begriff!

    Übrigens gibt es hier eine erste kleine Analyse zum Thema „Keyword-Daten aus Google AdWords“ und der Qualität der Daten: http://www.stefan-koehn.de/blog/2013/11/not-provided-mit-adwords-umgehen/

  14. google lässt sich immer wieder was neues einfallen…

  15. Ich war auf der Suche nach ein paar Zahlen und bin hier fündig geworden. Vielen Dank, so ist das Ganze noch viel aufschlussreicher.