Donnerstag , 18 Januar 2018

Der österreichische „Mr. Snowden“ ging um die Welt

Wie Marketing funktionieren kann, wenn es sich mit aktuellen, brisanten Ereignissen verknüpft, bewies der Betreiber der Website http://www.flughafentaxi-wien.at mit einer so eleganten wie effektiven Aktion am 3. Juli 2013. Das Ereignis: Boliviens Präsidentenmaschine wurde auf dem Weg von Moskau über den Atlantik zur Landung auf dem Wiener Flughafen gezwungen, nachdem mehrere europäische Staaten die Überflugrechte verweigert hatten. Man vermutete den ehemaligen NSA-Agenten Edward Snowden an Bord. Der Marketing-Gag: Eine Limousine stand für ihn am Flughafen bereit, der Chauffeur trug ein Schild: „Mr. Snowden“.

 http://www.flughafentaxi-wien.at/img/snowden_hr.jpg © Flughafentaxi-Wien.at
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http://www.flughafentaxi-wien.at/img/snowden_hr.jpg © Flughafentaxi-Wien.at

Was war geschehen?

Tatsache ist, dass die Maschine des Präsidenten Evo Morales in Wien landen musste, Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer besuchte ihn dort und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, nachdem das Flugzeug angeblich mit Morales Genehmigung nach Snowden durchsucht worden war. Auf diesen hatte indes ein Chauffeur am Flughafen gewartet: Er stand in der Eingangshalle des Vienna International Airports mit einem deutlich erkennbaren Schild „Mr. Snowden“ und darunter dem gelben Aufdruck „Flughafentaxi Wien“ inklusive der Webadresse. Draußen stand die schwarze Limousine. Ganz unlogisch wäre das nicht gewesen, denn Snowden hatte in Bolivien um Asyl ersucht, dass die Maschine in Wien landen musste und politische Eklats auslöste, war schon um die Welt gegangen. Der Medien-Rummel um Boliviens Präsidenten in der VIP-Lounge des Flughafens tobte, währenddessen stand der Chauffeur mit dem Schild „Mr. Snowden“ bereit.

Rasante Verbreitung über Social Networks

Es dauerte nur wenige Minuten, bis Vorbeikommende den Chauffeur fragten, ob damit etwa DER Snowden gemeint sei. Natürlich ist ein Chauffeur stets zur Verschwiegenheit verpflichtet, am Fotografieren konnte (und wollte) er freilich die Flughafengäste nicht hindern. Diese sandten die Fotos in Windeseile um die Welt, sie tauchten nur Augenblicke später auf Facebook, Twitter, Reddit oder imgur.com auf, wo sie teilweise eine halbe Million Mal aufgerufen wurden. Auch auf Vienna.at erschien umgehend der Bericht eines Leserreporters, für die Marketing-Aktion sicher (fast) so bedeutsam wie die Promotion in den großen Social Networks. Die Kommentare beispielsweise auf Twitter ließen die Emotionen hochkochen: „Wie verzweifelt ist die NSA?“ twitterten viele Nutzer, die vermuteten, der amerikanische Geheimdienst wolle Snowden auf diese Weise kidnappen. So etwas lässt die Gerüchteküche noch mehr brodeln, und genau dieser Emotionen bedarf gutes Marketing. Denn das Foto wurde zwangsläufig genau betrachtet und der Service von Flughafentaxi-Wien.at wurde auf eine originelle Art und Weise kommuniziert. Der Chauffeur „Leo“ ließ die Fotos lächelnd über sich ergehen. Die weltweite Aufmerksamkeit war auch ihm gewiss.

Nach Rücksprache mit Bernhard Angeler, der die Idee für diese Aktion hatte, wird er uns bald mehr Details und Hintergründe hier in einem eigenen Blog-Post auf Webmarketingblog.at nennen.

Oliver Hauser
Oliver Hauser ist Inhaber des Salzburger Unternehmens get on top gmbh und Betreiber des WebmarketingBlog.at, außerdem ist er mit seiner Firma Next Experts GmbH der Veranstalter der SEO Konferenz SEOkomm und der Online Marketing Konferenz OMX. Seine Spezialgebiete sind Suchmaschinenoptimierung, Suchmaschinenmarketing und Linkaufbau speziell für Österreich.
Oliver Hauser
Oliver Hauser

3 Kommentare

  1. Ist doch klar, dass dieser Vorfall binnen Minuten durch die Welt geht oder? Ist ja jetzt nicht gerade ein unwichtiges Thema… Ich bin eh ein bisschen enttäuscht, habe das Gefühl der Hype lässt schon wieder nach. Dafür ist das Thema aber viel zu wichtig.

  2. War auf jedenfalls mal eine grandiose und interessante Idee.

  3. Geniale Idee, vor allem: so schnell reagiert. Vielleicht sollte ich am Flughafen von London mit dem Schild „Assange“ rumlaufen:))