Dienstag , 20 Februar 2018

Felix Baumgartner und Red Bull Stratos: Mit Überschallgeschwindigkeit zum beispiellosen Social Media-Spektakel!

Rund zwei Wochen ist es her, dass der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner im Sturzflug die Schallmauer durchbrach und dem Sponsor Red Bull gleichzeitig zu einem weltweit nahezu beispiellosen Publicity Stunt verholfen hat.

image-8086

Quelle: http://www.redbullstratos.com

Drei der vier angestrebten Rekorde konnten gebrochen werden: Baumgartner hält nun die Rekorde für den höchsten Fallschirmabsprung (ca. 39km), für die höchste im freien Fall erreichte Geschwindigkeit (über 1200 km/h) sowie für den tiefsten freien Fall (mehr als 36km). Der vierte Rekord, der längste freie Fall, verbleibt mit einer Dauer von 4:36 Minuten beim US-amerikanischen Air Force-Piloten Joseph Kissinger, der die vorherigen Rekorde jahrzehntelang innehielt und als Berater ebenfalls am Stratos-Projekt beteiligt war.

Neben all der berechtigten Euphorie um den gelungenen Sprung selbst ist das gesamte Projekt Red Bull Stratos aber vor allem auch im Hinblick auf Social Media äußerst interessant und rekordverdächtig. Es würde nicht überraschen, wenn dieses Großereignis in Zukunft als einer der kritischen Schlüsselmomente in die Geschichte eingehen sollte, die die Ablösung der klassischen Medien und deren Ersetzung durch neue Social Media einläuten.

Allein schon die nackten Zahlen und Fakten stellen einen beeindruckenden Beleg für die unglaubliche mediale Reichweite des Rekordsprungs dar: Mehr als 8 Millionen Menschen verfolgten den Sprung gleichzeitig im Livestream auf Youtube. Binnen weniger Tage erreichte das erste von Red Bull gepostete Foto von Baumgartner nach seiner Landung bei Facebook deutlich mehr als 600.000 Reaktionen (d.h. Likes, Shares, und Kommentare).

image-8087

Quelle: http://www.facebook.com/redbull/

3 Millionen Tweets über den Sprung wurden verfasst. Die Liveübertragungen der österreichischen Sender ORF und Servus TV konnten sich während des Sprunges einen Marktanteil von ca. 80% sichern, wobei ORF allein in der Spitze rund 2,3 Millionen Zuschauer hatte. Bei einer Einwohnerzahl von fast 8,5 Millionen bedeutet dass, das etwa jeder vierte Österreicher den Sprung über ORF verfolgte. Servus TV vermeldet währenddessen rund 3 Million Page Views –  ein einmaliger Erfolg für die großen österreichischen Sender.

Youtube als Marketing-Katapult

Die bisherige Rekordmarke von rund 500.000 Zuschauern im Livestream (zu Zeiten der Olympischen Spiele in London) wurde nach einer Aussage im offiziellen Youtube-Blog mit 8 Millionen Usern um ein Sechzehnfaches überboten – und das Ganze bei durchaus überschaubaren technischen Problemen. Der zusammenfassende Videoclip mit dem Titel „Felix Baumgartner’s supersonic freefall from 128k‘ – Mission Highlights“ auf dem Red Bull-Kanal hat inzwischen mehr als 27 Millionen Views und wurde mit rund 33.000 Userbeiträgen kommentiert.

image-8088

Red Bull Stratos auf Youtube

Die Bedeutung von Youtube für das Gelingen des Marketing-Meisterwerkes rund um den Rekordsprung kann dabei nicht überschätzt werden. So stellt der Video-Anbieter auch nach dem Livestream eine hohe Publizität sicher. Nicht nur, dass Interviews mit den Beteiligten und Clipsammlungen der Highlights nach wie vor hohe Klickraten erzielen: Viele User erstellen und teilen auch ihre ganz eigenen Videos dazu – mal bewundernd, mal kritisch; mal mit ernstgemeintem Hintergedanken, mal humorvoll. Dass in fast allen Fällen das Red Bull-Logo prominent zu sehen ist, ist für den Sponsor ein gern gesehener und werbekräftiger Nebeneffekt.

Allgegenwärtige Präsenz bei Twitter und Facebook

Durch Hashtags wie beispielsweise #stratos, #baumgartner und #spacejump kannst du bei Twitter eindrucksvoll nachvollziehen, wie groß die emotionale Anteilnahme an Baumgartners Rekordsprung weltweit war. Überall auf dem Planeten fieberten Millionen mit dem Extremsportler mit, wünschten Glück, hofften auf ein Gelingen der Mission – und machten das Projekt Stratos auf Twitter so für einige Tage lang zu dem Thema schlechthin. Die Anzahl der Follower von Red Bull Stratos bei Twitter stieg innerhalb nur eines Monats von etwas mehr als 11.000 auf fast eine Viertelmillion!

image-8089

So ist es auch kaum verwunderlich, dass es inzwischen zahlreiche Fake-Accounts im Namen von Felix Baumgartner gibt. Jeder beteuert natürlich, dass der eigene Kanal der offizielle ist… Wo sich aber Rechtschreibfehler häufen und die Aktivität ausbleibt, kann davon ausgegangen werden, dass hier nicht der rundum gesponserte Extremsportler selbst an der Tastatur sitzt. Der Neid der anderen zeigt: Hier wurde alles richtig gemacht.

Auch bei facebook konnte der bis dahin allenfalls unter Szenekennern bekannte Sportler seinen Bekanntheitsgrad enorm steigern. Baumgartners Seite verfügt inzwischen über fast 1,5 Millionen Likes, zeitweilig kamen pro Minute tausend neue Fans hinzu. Nach seinem Rekordsprung gratulierten ihm neben seinen unzähligen Fans auch zahlreiche Prominente, darunter auch der Bundeskanzler Österreichs, Werner Faymann, sowie der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer.

Hoch gepokert, hoch gewonnen: Der Werbeffekt des Stratos-Projektes

Ob sich die immensen Investitionskosten für das Projekt in höheren Erlösen niederschlagen werden, muss die Zeit zeigen – fest steht aber, dass der Werbeeffekt für Red Bull gigantisch war, ist, und auch in Zukunft sein wird. Durch das Projekt, dem sieben Jahre der Planung und Vorbereitung vorgelagert waren, konnte Red Bull neue Maßstäbe im Sponsoring setzen. Nicht umsonst wird immer wieder das Foto von Baumgartner in seiner Kapsel repostet, das mit den Worten versehen ist: „That awkward moment when you realize an energy drink has a better space program than your nation.“ (dt. etwa: „Der seltsame Moment, wenn dir klar wird, dass ein Energydrink ein besseres Raumfahrtprogramm besitzt als dein Land.“) Wenn auch Red Bull schon seit längerer Zeit stark im Extrem- und Motorsportsektor vertreten ist, gehört Stratos mit seinen Kosten von rund 50 Millionen Euro zu den teuersten Marketingaktionen aller Zeiten. Red Bull ist damit ein großes Risiko eingegangen und hat hoch gepokert – konnte nun aber mit einem breiten Grinsen als strahlender Sieger vom Spieltisch gehen.

Euphorie und Zweifel

Die teilweise ungezügelte Euphorie, die sich um den viralen Welterfolg des Stratos-Projektes entwickelt hat, kann in vielerlei Hinsicht mit der Mondlandung verglichen werden. Dennoch gibt es aber auch immer wieder Stimmen, die Zweifel an der Sinnhaftigkeit der ganzen Aktion vermelden. Das Mammutprojekt ist nicht ganz unumstritten.

Während der Postillon scherzend verkündet, der Rekordsprung sei für ungültig erklärt worden, weil Baumgartner „knapp die Linie übertreten hat“, äußern viele Stimmen auch ernsthafte Kritik daran, welche Werte tatsächlich hinter dem Rekordprojekt stehen. Der wissenschaftliche Wert wird der Aktion von einigen Stellen komplett abgesprochen, was sie zu einer reinen (und lebensgefährlichen) Marketingaktion macht. Das Spektakel bringe vor allem eines: Möglichst große Zahlen. Es verkomme sich so zum Selbstzweck. Aber egal, wie man dieser Frage gegenüber aufgestellt ist: Fest steht, dass der freie Fall vom Rande der Atmosphäre definitiv aufgezeigt hat, was durch Social Media alles möglich ist und wie sich weltweite Großereignisse in Zukunft für uns gestalten könnten.

Während der Vorbereitung haben sich viele Investoren und Berater verschätzt und sind frühzeitig aus dem riskanten Projekt ausgestiegen, da ihnen das Vertrauen auf einen viralen Effekt als zu unsicher erschien. Dass die Aktion im Endeffekt ein großer Erfolg wurde, heißt auch nicht, dass in Zukunft alle größeren Marketingaktionen einen ähnlichen Erfolg erwarten können. Dennoch ist damit zu rechnen, dass Red Bull Stratos und das gigantische Social Media-Gespinst deutlich aufzeigen, in welche Richtung sich unser Umgang mit Weltereignissen in Laufe der Zeit entwickeln wird.

image-8090

Quelle: http://www.redbullstratos.com

 

Was hältst du davon? Ist dies für dich eine begrüßenswerte Entwicklung oder siehst du das Ganze aus einer eher kritischen Perspektive? Nutze unsere Kommentarfunktion und teil uns deine Meinung mit!

 

 

Jens Thomas
Jens Thomas ist seit 2011 Teil des Teams der content.de AG und dort in der Qualitätssicherung, im Linkbuilding sowie im Projektgeschäft beschäftigt. Durch seine Tätigkeiten im Online Marketing konnte auch er sich der Euphorie um Baumgartners Rekordsprung nicht entziehen, wobei gerade die allgegenwärtige Präsenz des Stratos-Projektes in den Social Media die größte Faszination auf ihn ausübte.

4 Kommentare

  1. Brauchen wir Helden, die sich öffentlich eine gemäßigte Diktatur (wortwörtliches Zitat von Felix Baumgarnter) wünschen?

    Überraschend still und unauffällig hat sich die PR-Maschinerie von RedBull seit letztem Freitag gegeben. Auch der ORF, der das Event mit tagelangen Live-Schaltungen unterstützt hat, wird sich da wohl eine Stellungnahme überlegen müssen. Ich find es schade, weil damit ein Marketing-Stunt allererster Güte von der höchstpersönlichen Dummheit seines Protagonisten torpediert wird.

    http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/3152759/baumgartner-fuer-gemaessigte-diktatur.story

  2. Brot & Spiele: wie begeistert stehen Hunderttausende von Menschen jedes Jahr vor dem Kolosseum von Rom? Hätten damals alle nur vernünftig gedacht, gäbe es heute kein Kolosseum, keine Pyramiden usw.. Der Mensch braucht auch mal nur Unterhaltung und nicht alles muß einen Sinn ergeben. Und ich denke, dass hier mal wieder die österreichische Neidkultur ihre Ehren-Bürger zu bestrafen versucht. Red Bull spendet soviel Geld für gute Dinge, nur wird es nicht immer an die große Glocke gehängt wie andere Unternehmen die das sogar in die TV-Werbung tragen und viel viel weniger zum Allgemeinwohl mit Ihren Gewinnen beitragen. Stattdessen erzeugen kleine Kinder giftige Produkte, gierige Vorstände kassieren unanständige Abfindungen und geldgeile Aktionäre schrecken nicht zurück einen Soja- und Weizenpreis nach oben schnellen zu lassen und geben an die Gesellschaft nichts zurück – weder Brot noch Spiele.

  3. hätte echt nicht gedacht, das er lebend unten ankommt. meine befürchtung war, das er sich zu tote dreht ( bei drei umdrehungen in der secunde ja nicht unwarscheinlich ) , nun gut alles ok, ich denke eine neue aber kostspielige trendsportart ist geboren…

    beste grüße

  4. Super Beitrag! Das war einfach ganz tolles Programm – selten so gespannt vorm TV gesessen. Red Bull hat hier alles richtig gemacht. Grats.

  1. Pingback: Social Media Seminare, Schulungen und Workshops | Events & Erlebnisse in Zeiten von Social Media