Sonntag , 29 Mai 2016

124% der 16Jährigen ÖsterreicherInnen sind auf Facebook

Schon längere Zeit habt ihr hier nichts über aktuelle Facebook Nutzerzahlen gelesen, umso schöner, wenn die Zahlen etwas kritisch neu beleuchtet werden. Ich arbeite schon längere Zeit mit Facebook Ads und habe nie so wirklich darauf geachtet, ob die Zielgruppe, die ich dort anspreche, so groß ist, wie ich mir das erhoffe. Ist vielleicht auch gar nicht so wichtig, wenn denn am Ende die Clickraten und Conversions stimmen. Der Artikel zu den österreichischen Nutzerzahlen von Philipp Roth auf allfacebook.de hat mich motiviert, hier ein kleines Update zu schreiben.

Das erste, was mir im Artikel von Philipp Roth aufgefallen ist, war die Grafik mit der demographischen Verteilung und den Zielgruppen. Diese oder ähnliche Zielgruppenverteilungen sieht man relativ oft, auch wenn sie eigentlich irreführend sind und den meisten Beobachtern nicht weiterhelfen dürften, da die Skalierung unterschiedlich große Zielgruppen zeigt. Die „größte Zielgruppe“ ist hier die Zielgruppe der 25-34 Jährigen, was aber ausschließlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass in dieser Zielgruppe 10 Jahrgänge, und z.B. in der Zielgruppe der 18-24 Jährigen nur 7 Jahrgänge sind.

Quelle: http://allfacebook.de/zahlen_fakten/27-millionen-nutzer-in-osterreich-aktuelle-facebook-nutzerzahlen-fur-august-2012/

 

Der zweite Punkt, und danke dafür an Philipp Roth, war der folgende Textblock:

Da immer die gleichen Fragen auftauchen, eine kurze Erklärung zur Datenerfassung: Es handelt sich hier um Zahlen die mit dem Facebook Anzeigen Tool erfasst werden. Sie werden von Facebook selbst veröffentlicht und als Schätzung ausgewiesen. Facebook Nutzerzahlen und Einwohnerzahlen werden komplett unterschiedlich erfasst und sollten nicht verglichen werden. Alle Zahlen sind aktive Facebook Nutzer. Ein aktiver Facebook Nutzer ist ein Nutzer der sich innerhalb der letzten 30 Tage mindestens einmal am entsprechenden Ort eingeloggt hat. Wenn sich ein Nutzer innerhalb von 30 Tagen an mehreren Orten auf Facebook einloggt so zählt dieser an jedem Ort als ein Nutzer. Besonders in stark besiedelten Gebieten kann es zu großen Abweichungen kommen. Da es sich hier offensichtlich um keine wissenschaftliche Datenerfassung handelt empfehlen wir stark die Werte, wie auch von Facebook selbst kommuniziert, wirklich nur als Schätzung zu betrachten.

OK – so habe ich das zuvor ehrlich gesagt noch nicht gelesen. Es hat mich ein wenig schockiert. Im Endeffekt sagt mir dieser Absatz, dass die Userzahlen, welche ich im Facebook Ads Tool sehe, eigentlich nicht dem entsprechen, was ich mir erwarte. Im Facebook Ads Manager sieht das nämlich so aus (Screenshots 09.08.2012 zusammengebastelt):

Also gehe ich davon aus, wenn ich eine Werbeanzeige an die 16jährigen Österreicher schalte, dass etwa 117.400 Leute theoretisch mit dieser Anzeige angesprochen werden könnten. Mir ist auch klar, dass ich wahrscheinlich nie alle ansprechen werde, da nicht immer alle User der Zielgruppe erreichbar sind, aber ich gehe von dieser Summe als theoretischen Best Case aus. Also weiter nachgehakt:

Ich habe mir von der Statistik Austria, denen ich in diesen Sachen ganz gut glauben schenken kann, die demographischen Zahlen für Österreich 2012 angesehen.

Wer selber noch genauer nachgucken will: Hier die Daten aus der Bevölkerungsstatistik für Österreich

Laut Statistik Austria gibt es derzeit in Österreich etwa 94600 16jährige ÖsterreicherInnen.  Mit Facebook Ads kann ich 117.400 davon ansprechen. Hat mich zwar schockiert – aber ist wohl auf die Datenerfassung (wie oben im Textblock von Philipp Roth geschildert) von Facebook, mögliche doppelte Facebookaccounts und Fakeaccounts zurückzuführen.

Ich habe mir nun die Mühe gemacht und die beiden Werte für Österreicher von 14-64 Jahren pro Jahrgang zu vergleichen:

 

Nun stelle ich mir die Frage, um wieviel % denn diese Daten von dem eigentlichen Wert abweichen, den ich haben will – also der genauen Anzahl an Unique Facebook Usern, die ich ansprechen kann.

Da ich mir gut vorstellen kann, dass über 90% der heute 16jährigen ein Facebook Profil besitzen, habe ich die Daten für mich wie folgt bereinigt: Das oben geschilderte Problem der „aktiven User von verschiedenen Orten“, mit möglichen doppelten Accounts usw. macht eine Reduktion von etwa -25% aus. D.h. aus den oben genannten 117.400 16Jährigen mache ich 88.020 (-25%) und erhalte dann einen Wert von 93,04% der 16Jährigen Österreicher, welche ein Facebook Profil haben. Die bereinigten Daten sehen dann wie folgt aus:

Facebook User laut Facebook Ads in Österreich (Bereinigung -25%) abhängig von den demographischen Daten von Statistik Austria

 

Vergleicht man nun die absoluten Zahlen von Statistik Austria, mit den Daten von Facebook und meinen für mich bereinigten Daten, dann ergibt sich folgendes Bild:

Statistik Austria vs. Facebook Ads vs. Facebook Ads (-25%)

Das macht für mich am Ende ein ganz schönes Bild und ich werde wohl bei künftigen Facebook Werbeanzeigen die angegeben Zielgruppen etwas nüchterner betrachten.

Bitte entschuldigt die Statistiken – ich bin kein Statistik-Design Held ;). Möchte auch nochmal klarstellen, dass ich die Arbeit von Philipp Roth Klasse finde – bitte nicht meine Kritik gegenüber den Facebook Zahlen als Kritik an allfacebook.de sehen!

Zu guter letzt noch eine Notiz für mich: 2.750.000 aktive Facebooknutzer = 2.062.500  für mich ansprechbare Nutzer. Immer noch jede Menge.

Freue mich über Feedback und euren Erfahrungen / Meinungen.

 

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Thomas Rafelsberger
Thomas Rafelsberger war Projektmanager eines Internetplattform-Relaunchs, e-Business Manager eines Webshops, hat sein Masterstudium abgeschlossen und arbeitet nun als Head of SEO bei getontop.at. Thomas betreibt auch eigene kleinere Webseiten & SEO-Test-Spielwiesen wie bruttonetto-rechner.at und festival.co.at .
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14 Kommentare

  1. Nunja, irgendwo war es ja auch absehbar das die Daten nicht 100 % stimmen. A wird es div. Fakeaccounts geben, b) wird es einige geben deren Datumsangabe auch Fehlerhaft ist und c) überleg ich mir noch.

    Wobei eine Abweichung von rund 19.42 % ist schon nicht schlecht. Das würde quasi bedeuten das 1/5 d. Profile fehlerhaft sind.

    Btw: Die Grafiken sind vollkommen in Ordnung, lieber einfache die auch eine Frau lesen kann, als irgendwelche bunten Dinger, die vor lauter Infos nicht lesbar sind.

  2. @Daniela: Danke für das nette Feedback!

    „Echte Daten“ von Unique Accounts wären ja schon ganz nett – auch wenn da noch doppelte Accounts und Fakes dabei sind, könnte man dann damit schon bischen besser arbeiten.

  3. „124% der 16Jährigen ÖsterreicherInnen sind auf Facebook“
    124% … wie geht das den?! o_O

  4. Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass der Sprung von den 14jährigen und 15jährigen zu den 16jährigen so groß ist. Ich vermute eher, dass sich einige bewusst älter machen. Der Verlauf müsste demnach flacher sein und die Spitze liegt dann nicht bei 92%, sondern vllt. bei 80%.

  5. Ich finde die Zusammenfassung wirklich interessant und danke dem Autor für die Aufklärung. Das es bei facebook fakes, „Karteileichen“ und 12 jährige gibt, die behaupten 16 Jahre alt zu sein ist sicherlich ein Problem, dürfte aber jedem mit klarem Menschenverstand, der selbst mal jung war auch bewusst sein.
    Viel schlimmer finde ich, dass ein Milliarden-Unternehmen an der Börse Nasdaq gehandelt mit Millionen Umsätzen, dafür dass sie dir virtuelle Freundschaften verkuppeln, nicht in der Lage ist, die simple Rechnung durchzuführen und anscheinend nie auf die Idee gekommen ist seine eigenen veröffentlichten Zahlen zu kontrollieren. Uns wird immer erzählt, dass das Internet transparent bis zum geht nicht mehr ist, das die Zahlen stimmen und man keine Streuverluste hat etc. Was aber, wenn wir dank facebook unsere ganzen Überlegungen zur Bevölkerungsentwicklung über den Haufen werfen müssen, weil wir nicht 7 Milliarden Bewohner auf diesem Erdball haben sondern 8,7 Mrd.

  6. Der Screenshot zeigt bei den Auswahl der „126%“, dass du nicht das Geschlecht selektiert hast.

  7. Nochmal im Klartext. Das hat wenig mit ‚Fakes‘, sondern vielmehr dem Zwang zur Altersangabe und Facebooks Verbot für unter-14-jährige Nutzer zu tun.

    Wem gesagt wird, dass er zu jung ist um sich einen Account zu holen, macht sich zur Sicherheit 3-5 Jahre älter. Denn keiner wird glauben, dass die die ganzen ehemaligen SchülerVZ-Nutzer wirklich erst pünktlich zum 14. Geburtstag mit den ‚Großen‘ networken wollen, oder?

    Zu diesen und anderen Themen werden wir übrigens auch am dmexco-Vortag ein Panel auf der OMC in Köln veranstalten… http://omc.de

  8. Wirklich ein sehr interessanter Artikel.
    Was sich wieder einmal bestätigt, ist der Mangel an Entscheidungsträgern bei FB. Da diese meist erst ab der Altersgruppe der 35-40-jährigen zu finden sind, halte ich FB Werbung für zB. B2B Geschäfte für nicht sinnvoll.

  9. @Flo: „ÖsterreicherInnen = Österreicher + Österreicherinnen“ Es ist gewollt, dass ich das Geschlecht nicht selektiert habe.

    @Andreas, BlikeBerlin und Randolf: Ja, sicher machen sich einige 12 Jährige älter, um überhaupt ein Profil erstellen zu können – keiner weiß jedoch, wieviele das sind und wieviele sich davon 14,15,16 oder 17 Jahre alt machen. Fakt ist, dass man die Zahlen so oder so nicht wirklich ernst nehmen kann.

  10. Naja, sind halt auch nur Statistiken. Wusste gar nicht das man ein Mindestalter braucht um sich bei FB anzumelden. Hab mal gehört das sich Leute in Amerika FB Seiten für deren ungeborene Kinder gemacht hätten 😀 Aber guter Post!

  11. Thomas, ich habe mal deinen spannenden Beitrag aufgegriffen und mit weiteren Gedanken erweitert. (http://www.ezweinull.de/?p=227)
    Vielen Dank für deine Vorlage.

  12. Thomas Rafelsberger

    Hi Rene!

    Schöner Artikel, den du da geschrieben hast – freut mich, dass ich dich dazu inspirieren konnte ;).

    Danke und Lg
    Thomas