Dienstag , 24 April 2018

Was Google+ richtig macht und Facebook nicht kann

Google+ war ursprünglich als Facebook Killer geplant, dieses Szenario ist (erwartungsgemäß) nicht eingetreten. Es passiert jedoch etwas anderes..

Der grosse Vorteil bei Google (zumindest für Marketer oder Content Creator) ist die in Google+ von Anfang an mitgeplante Möglichkeit, dass ein Post sich wirklich viral verbreitet. Diese Funktion wurde im Zuge des „What’s Hot“, heute der „Explore“ Funktion umgesetzt. (Auf deutsch früher „Angesagt Beiträge“, heute „Entdecken„)

Im Grunde findet man in diesem Stream alle Postings, die eine gewisse Schwelle an Interaktionsraten erreicht hat. Aufgrund welcher Kennzahlen Postings in diesen Stream kommen ist natürlich (leider) schwer geheime Google Magic

Was kann man mit dieser genialen Funktionalität erreichen?

Dazu ein Beispiel:
Auf der Fanpage „The Nerd Code“ wurde bei einem Stand von ca. 250 Fans die Batman Funktion gepostet:

Nach einem eher schleppendem Anfang war die Interaktionsrate bei diesem Post sehr schnell so hoch, dass er in den englischen „What’s Hot“ Stream auf Platz 1 gekommen ist. Dadurch das dieser Stream weltweit bei allen Google+ (mit eingestellter englischer Sprache) Usern sichtbar ist, konnte „The Nerd Code“ mit einem einzigen Post innerhalb von 24 Stunden fast 2000 neue Follower generieren!

Stand 30. Jänner 2012: 258
Stand 1. Februar 2012: 2098
Zuwachs: 1840 

Am 8. Februar war es dann wieder soweit mit diesem Posting:

Auch hier konnte der Platz 1 im englischen What’s Hot Stream erreicht werden und die Followerzahlen folgten mit:

Stand 7. Febraur 2012: 2220
Stand 10. Februar 2012: 3368
Zuwachs: 1148

Der Vergleich zu Facebook

Bei diesen Zahlen gilt es bitte zu berücksichtigen, dass Ende Jänner dieses Jahres Google+ erst ca. 6 Monate gelauncht war und die Userzahlen in dieser Zeit noch sehr minimal waren.

Nur um einen groben Vergleich herzustellen, die 3 grössten Fanpages auf Google+ hatten Ende Jänner gemeinsam knapp mehr als 1,7 Mio. Follower.

1. Coldplay (626.896 Follower,https://plus.google.com/115209943765910868932)
2. Red Hot Chili Peppers (544.218 Follower,https://plus.google.com/110010747249110985415)
3. Train (537.186 Follower,https://plus.google.com/104459480948960105365)

Auf Facebook hat  Coldplay alleine ca. 20 Mio. Fans, die Red Hot Chili Peppers ca. 17 Mio. Fans und Train ca. 2,4 Mio. Fans. Man kann also von einem grobem Verhältnis von 1:23 ausgehen.

Wenn man nun (als wirklich grobe Hochrechnung) den Followerzuwachs bei „The Nerd Code“ von ca. 3000 Fans hochrechnet kommt man auf 69.000 neue Fans durch 2 (zwei!) gute Postings.

Es ist also „relativ“ einfach mit dem Posten von gutem (viraltauglichen) Content innerhalb von kurzer Zeit eine ganze Menge an Followern zu generieren.
(Der Pinguin lässt grüssen) 😉

Nun zur eigentlichen Frage: Kann man ähnliche Mechaniken bei Facebook erzielen?

Ich denke nicht. Denn sollte auch ein Post sich wirklich viral verbreiten (Was auf Facebook äusserst selten passiert), dann scheint maximal der Inhalt im Stream des Users auf. Da viraler Content üblicherweise eine Bild oder Video ist, geht der ursprüngliche Poster auf Facebook vollkommen unter. Daher ist es, wenn auch möglich, wesentlich schwerer ähnliche virale Effekte wie auf Google+ auf Facebook zu erreichen.

Doch Facebook schläft natürlich nicht, ganz im Gegenteil! Facebook testet im Moment eine neue Funktion mit dem Titel „Trending Articles“, welche offensichtlich im Stream auftauchen werden:

Quelle: mashable.com

Quelle: mashable.com

Das scheint ein erster Schritt in die Richtung „Explore“ oder „Trending Topics“ zu werden. Was jedoch seltsam erscheint ist, das dort lediglich Artikel aufscheinen, welche aus „Social Reading Apps“ oder von Websites kommen, die Facebook Open Graph integriert haben. (Quelle: mashable.com)

Die Trending Topics

Im englischen „Explore“ Stream sind derzeit auch immer „Trending on Google+“ angezeigt, eine Funktionalität die bisher nur von Twitter bekannt war. Hier hat Google offensichtlich die Mechanik dieser „Trending Topics“ sehr genau analysiert und für Google+ ideal umgesetzt.

Google+ schafft es hier durch die einfache Anzeige dieser Trending Keywords dem User das Gefühl zu geben immer informiert zu sein, was derzeit im gesamten Netzwerk aktuell ist. Das schenkt auch das Gefühl nichts zu versäumen und dadurch dass Postings auf Google+ nicht auf 140 Zeichen wie bei Twitter, sondern auf maximal 100.000 Zeichen beschränkt sind, fällt die bei Twitter oft lästige Recherche, was denn ein bestimmtes Topic bedeutet nicht notwendig.

Im deutschen Interface werden (noch) keine Topics angezeigt.
Hier gibt es einen einfachen Trick um auf das englische Interace zu wechseln, es reicht hier einfach den Parameter ?hl=de anzuhängen:

https://plus.google.com/explore?hl=de

Eine vergleichbare Funktion ist auf Facebook nicht vorhanden und meines Wissens auch nicht geplant.

Hier sehe ich auch einen wesentlichen Unterschied zwischen Google+ und Facebook, denn durch den laufend berechneten EdgeRank einzelner User und/oder Postings entmündigt Facebook mich, da oft scheinbar willkürlich neue Posts von Personen und Fanpages nicht in meinem eigenem Stream angezeigt werden. Das hat teilweise fatale Auswirkungen, da der EdgeRank Algorithmus unter anderem auf Interaktion beruht. Was passiert nun wenn ich die Updates einer bestimmten Person oder Fanpage immer sehen will jedoch explizit nicht interagieren möchte? Die Postings werden mittelfristig aus meinem Stream verschwinden, obwohl ich daran sehr interessiert wäre. Das kann bei Google+ nicht passieren, da man durch die Anlage von Circles eigene Streams definieren kann die mir auch ungefiltert angezeigt werden.

Google Ripples oder Viralität in Zahlen

Auf Facebook gibt es allseits bekannten Facebook Insights, aus meiner Sicht ein äusserst schwerfälliges Tool. Damit kann man einerseits auswerten woher neue Fans kommen und welche Posts am erfolgreichsten waren. Zugegebenermassen ist ein vergleichbare Tool für Google+ derzeit (noch) nicht vorhanden, wird aber in absehbarer Zeit kommen, sobald man einen Google Analytics Account mit einer Fanpage verknüpfen kann.

Was jedoch auf Google+ möglich ist, ist die detaillierte Auswertung der „Viralität“ eines einzelnen Postings:

Google Ripples vom Posting „Batman Function“:

Hier ist einfach zu analysieren wer ein bestimmtes Posting (öffentlich) geteilt hat und welche weiteren Share dadurch erzielt wurden.
Das ist die ultimative Geheimwaffe des erfolgreichen Google+ Marketers!

Facebook hat meiner Meinung nach nur mehr einen einzigen wesentlichen USP: Die Userbase von mehr als 800 Mio. registrieren Usern.
Andere, derzeit noch fehlende Funktionen auf Google+ wie Page Apps und bessere Auswertungen auf Seitenebene wird Google+ sicher noch nachziehen. Es stellt sich auch nicht die Frage ob Google+ jemals wirklich erfolgreich sein wird, es stellt sich eher die Frage wann Google+ erfolgreich sein wird! Dies aus einem einfachen Grund: Es ist nicht notwendig dass wir zu Google+ gehen, sondern Google+ schleicht sich langsam und heimlich in die SERPS ein und ist inzwischen ein relevanter Rankingfaktor. Das wird ausreichen.

(Danke vielmals an CircleCount als bestes Auswertungstool für Google+ !!)

Ulf Weihbold
Ulf Weihbold ist Senior E-Commerce Manager bei Red Bull und ist dort unter anderem verantwortlich für RedBullshop.com und RedBullCollection.com. Seine Spezialgebiete sind E-Commerce Management, Konversionsoptimierung, Google Adwords und Web Analytics.
Ulf Weihbold
Ulf Weihbold

7 Kommentare

  1. Klasse Beitrag! Das mit Facebook und dem USP sehe ich allerdings anders. Während viele über Google+ mit interessanten Menschen aus aller Welt verbunden sind, stehen bei Facebook echte Freunde und Bekannte im Vordergrund!

    Ein absoluter Vorteil, wenn es um das Empfehlungsmarketing geht!

    Das enorme virale Potenzial von Google+, da stimme ich Dir absolut zu.

    Grüße aus Hamburg

  2. Ich finde auch, dass die Masse der User das Einzige ist, was FB auszeichnet. Bessere Funktionalität, Usability und meiner Meinung nach auch technisch mehr Zuverlässigkeit hat Google+. So lange FB die Suche nicht neu erfindet, kann Google+ aufholen und sich sein eigenes Revier sichern. Die Zukunft für Google ist Social Search. Das Rennen bleibt spannend.

  3. Ich denk auch, Facebook hat früher angefangen und sich somit einen enormen Vorteil gegenüber google+ gesichert .

  4. Google+ hat mich bis jetzt leider gar nicht überzeugt.

    @Anita: Wenn die Zukunft von Google wirklich Social Search ist, dann Gute Nacht.

  5. Masse vor Klasse? Hm, die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich ein Blatt in der Tech Industrie sehr schnell drehen kann. Den zukünftigen großen Wurf erwarte ich von einem Newcomer, der weder Google noch Facebook heißt.

  6. Die Zukunft von Google? Die hat was mit Gewinn zu tun, denn das ist eine profitorientierte Wirtschaftsgesellschaft, die beispielsweise aus SEO keinen Umsatz erzielt, demzufolge das Ziel verfolgt, dass so viel wie möglich „Kunden“ bei Adwords werden, denn nur dann fliessen die Moneten

  7. Was Google+ richtig macht und Facebook nicht kann