Freitag , 21 November 2014

Nachhaltiges SEO erfordert redaktionelle Kompetenz

30% zu 70% – so sieht die traditionelle Verteilung von On- und OffPage aus. Mit 30% seiner Bemühungen um alles, was auf der jeweiligen Website zu finden ist, und 70% der Anstrengungen um alles, was von außen – aus den Weiten des World Wide Web – auf die Website wirkt, erreicht man 100% Wirkung für das Ranking seiner Internetseite. Aber ist das noch aktuell oder ist es vielleicht zu strikt getrennt? Für die heutigen Anforderungen in der OnPage-Optimierung benötigt man redaktionelle Kompetenz, für den OffPage-Bereich ist diese Kompetenz selbstverständlich ebenfalls nützlich.

Das hartnäckige Märchen von der Keyword-Rate

Während es noch vor zwei Jahren möglich war, ohne Mehrwert und durch häufiges Wiederholen bestimmter Keywords deutliche Erfolge bei der Suchmaschinenoptimierung zu erzielen, sind solche „Erfolge“ heutzutage, wenn überhaupt, von kurzer Dauer. Mit einer Keyword-Rate von drei bis fünf Prozent zeichnet man seinen Content schon längst nicht mehr als relevant für ein Thema aus. Wer dann auch noch mit Werten von bis zu acht Prozent hantiert, müllt nun wirklich nur noch das Internet zu. Kurzfristig wird man im Ranking für das in den Content gestopfte Keyword vielleicht etwas steigen, aber Google (und hoffentlich auch Bing & Co.) werden ebenso wie der menschliche Leser schneller erkennen, dass sich hinter Keyword Stuffing kaum ein Mehrwert verbirgt. Im Zweifelsfall kann ein solches Vorgehen sogar zu einer Abstrafung führen und somit nach hinten losgehen. Vergesst die Keyword-Rate endlich! Während der Suchmaschinenriese aufgrund seiner Wurzeln noch immer überwiegend auf Links reagiert, ist der OnPage-Bereich selbst etwas mehr in Googles Fokus gerückt. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass Link nicht gleich Link ist und auch hier seitens des Crawlers deutlich differenziert wird, worauf ich später noch etwas näher eingehen möchte. Bleiben wir nun zunächst noch „on page“.

OnPage nach Panda und Freshness

2011 hat einige interessante Änderungen an Googles Algorithmus mit sich gebracht. Das Panda Update ist bis heute noch in aller Munde. Dieses Update und seine Erweiterungen konzentrieren sich stark auf die Auswertung verschiedener OnPage-Merkmale. Zwar ist nie völlig geklärt worden, was Panda alles mit sich gebracht hat, aber die Tipps und Tricks, die einer Penalty aufgrund des Updates entgegenwirken sollen, konzentrieren sich stark auf den Content einer Website. So wird in vielen Fällen angeführt, dass es Google darum geht, die beste User Experience für seine Nutzer zu schaffen, was sich auch auf die Qualität der Suchergebnisse auswirkt. Google möchte zu Seiten führen, die in der Tat bieten, was der Nutzer sucht – Mehrwert. Die meisten Seiten, die deutlich sichtbar mit Ads überschwemmt sind oder ein bestimmtes Keyword im Text gezwungen wiederholen, gehören für Google verständlicherweise nicht zu diesen Mehrwert bietenden Websites.

Eine weitere Neuerung am Suchmaschinenalgorithmus Googles ist das Freshness Update. In den letzten Monaten des vergangen Jahres ließen sich schon deutlich die Auswirkungen der neuen „Frische in den SERPs“ feststellen. Aktuellere Informationen zu einem Thema werden von Google nun deutlicher bevorzugt, wobei man nicht vergessen darf, dass dieser Rankingfaktor – genau wie alle anderen – nicht für sich steht. Dennoch kann das Freshness-Update einen bereits gut rankenden Artikel einige Plätze weiter nach oben bringen oder, bei wenig umkämpften Keywords, vorrübergehend aus dem Nichts ein gutes Ranking ermöglichen – allein durch gute OnPage-Arbeit. Die Betonung liegt allerdings auf “vorrübergehend” und “wenig umkämpft”. Worauf ich damit hinaus möchte, ist: Die Aktualisierung eines Artikels, dessen Erweiterung mit mehr Mehrwert für den Leser und eine aktuelle Berichterstattung sind keine Zauberkunststücke, die ganz ohne OffPage-Optimierung auf Platz 1 der organischen Suchergebnisse führen, aber dennoch kann man das eigene Ranking dadurch merklich verbessern.

Themenkanalisierung am Beispiel „Schwarzkopf“

Um den eigenen Content zielführend an den Suchenden zu bringen, bietet es sich an, die einzelnen Themen einer Seite zu kanalisieren. Schwarzkopf hat dies sehr vorbildlich gemacht. Anstatt nur auf “Haare” oder “Pflegeprodukte für Haare” zu optimieren, wurde das Oberthema sinnvoll unterteilt. Von der obersten bis zur untersten Ebene finden sich hier Shorthead- und Longtail-Keywords aus dem Bereich “Haare”. So deckt die Seite allgemeine Suchanfragen von vielen, aber auch gezielte Anfragen mit einem geringeren Suchvolumen ab. Dadurch bedient Schwarzkopf nahezu jede Nachfrage nach Informationen zu Haaren und bietet selbstverständlich den Suchenden passend zu ihren Fragen/Problemen Pflegeprodukte an.
Ein solches Gesamtkunstwerk an Content ist ohne redaktionelle Kompetenz nicht zu erstellen oder zu konzipieren. Die komplette Inhaltliche Struktur muss für Leser und Crawler gut zu erfassen bzw. zu verstehen sein. Entweder benötigt man als SEO dann die Mithilfe eines Redakteurs, der etwas von der Suchmaschinenoptimierung versteht, oder man sollte selbst die entsprechende redaktionelle Kompetenz mitbringen.

Bilder und interne Verlinkung – Hübsch, sinnvoll und zielführend

Die redaktionellen Fähigkeiten sind auch für die Auswahl und Verteilung der Bilder innerhalb des Contents von Vorteil. Welches Bild passt zum Text und unterstreicht die Aussage des Beitrags? Welche Keywords können hier sinnvoll eingesetzt werden, ohne gleich nach Spam auszusehen? Bei diesen Fragestellungen treffen sich die Bereiche Redaktion und SEO, denn nur gemeinsam wird hier ein gutes Ergebnis erzielt.

Ähnlich verhält es sich bei der internen Verlinkung. Hier geht es nicht darum, nur den Linkjuice sinnvoll zu verteilen, sondern auch den Besucher zielführend durch das eigene Online-Angebot zu leiten. Automatisierte Lösungen sehen schnell billig aus (Links in Überschriften oder in einem von mehreren durch Bindestrich verbundenen Wörtern, etc.). Rein auf den Keywords basierend, sorgt die interne Verlinkung beim menschlichen Leser auch schnell für Verwirrung. Auf diese Weise werden Wörter verlinkt, zu denen das Link-Ziel vielleicht Informationen bietet, diese dann aber vollkommen ab vom Kontext des Ausgangsbeitrages stehen. Auch hier hilft es, wenn der Suchmaschinenoptimierer an seine Arbeit mit einem redaktionellen Gespür herangeht.

Redaktionelle Kompetenz in der OffPage-Optimierung

Wie zu Anfang erwähnt, ist eine redaktionelle Kompetenz auch für die OffPage-Optimierung sehr hilfreich. Google selbst hat über die Jahre hinweg ein besseres Verständnis von Semantik gewonnen und wie derzeit von vielen Seiten diskutiert wird, werden harte Keyword-Links immer weniger relevant für das eigene Ranking. Der Crawler achtet auf das Umfeld des Links und das Thema des Beitrags, aus dem verlinkt wird. Aus diesem Grund sind bei der Wahl der Link-Platzierung solche Merkmale zunehmend wichtiger. Früher wirkte sich vielleicht noch ein Blogkommentar merklich positiv auf das Ranking einer Website über Schuhe aus, wenn es von “Herrn Schuh” geschrieben wurde, der dann folgendes bekannt gab: “Schuhe günstig sind, wenn günstige Sportschuhe oder Damenschuhe für den Schuhliebhaber oder die Schuh-Liebhaberin gesucht werden”. Diese Zeiten sind vorbei! Auch der Beitrag, aus dem verlinkt wird, muss einen spürbaren Mehrwert bieten, um nachhaltig das Ranking der Zielseite zu stärken.

Mehr Wert ist Mehrwert

Als ich 2010 begonnen habe, mich vermehrt mit SEO zu beschäftigen und selbst redaktionell tätig war, entdeckte ich bei der Internetrecherche zu vielen Themen häufig Müll. Damals waren Texte, in denen Keyword Stuffing ohne irgendeinen informativen Mehrwert betrieben wurde, noch weit oben in den SERPs zu finden. Ich bin glücklich darüber, dass Google hier mittlerweile aufgeräumt hat oder, besser gesagt, dabei ist aufzuräumen. Natürlich kann ich verstehen, dass es Menschen gibt, die alles für Geld machen, aber muss es deshalb SEOs geben, die bewusst das Internet zumüllen, statt rund um gute Arbeit abzuliefern?

SEO Trainee
Beide Autoren sind erst über Umwege zur Suchmaschinenoptimierung gekommen. Olaf studierte zunächst Theologie, Nico Kommunikationswissenschaft – klassische Quereinsteiger, wie so häufig in der Branche. Beiden gemein ist, dass sie – trotz ihres unterschiedlichen Werdegangs – feststellen konnten, wie wichtig es heutzutage ist, auf den vorderen Plätzen der Suchergebnisse zu erscheinen. Mit dem Antritt des Traineeships bei der wirkungsvoll GmbH und als Autoren für den Blog seo-trainee.de legten sie den Grundstein für einen erfolgreichen Berufseinstieg in die SEO-Branche. Weitere Informationen zu Olaf und Nico finden sich auf ihren Autorenseiten.
SEO Trainee

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10 Kommentare

  1. erst einal danke für euren ersten gastbeitrag bei uns im blog. jedoch bin ich mit der aussage “Vergesst die Keyword-Rate endlich!” nicht ganz einverstanden. klar, dass ihr damit keyword stuffing meint, das funktioniert schon lange nicht mehr. trotzdem empfehle ich schon immer, auf die keyword dichte des hauptkeywords der seite zu schauen. und zwar nicht so, dass es 76 mal auf der seite vorkommt oder mit einer gewissen dichte, aber es sollte ein bis zweimal öfter als das nächste keyword vorkommen. damit macht man es google schon etwas leichter, das “richtige” thema bzw. hauptkeyword der seite zu erkennen.

  2. Hallo Oliver,
    wir danken Dir für die Gelegenheit, hier einen Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen.

    Du hast natürlich recht, ganz ohne Keyword geht es nicht. 1-2 mal vorkommen sollte es im Text sicherlich und daneben sind Synonyme ebenfalls nicht verkehrt. Jedoch bin ich der Meinung, dass das Thema eines Beitrags das Vorkommen des gewünschte Keywords bedingt. Na gut, bei besonders ausgefallenen oder sehr longtailigen Keywords muss der jeweilige Autor sich durchaus mehr anstrengen, den Begriff oder die Begriffskombination als das “richtige” Thema im Text deutlich zu machen.
    Die Keyword-Rate als Prozentangabe für die Häufigkeit, in der ein Begriff in einem Text vorkommen sollte, führt meiner Erfahrung nach sehr schnell zum Stuffing. Bei einem Autor, der sich mit SEO auskennt, kann man den Verweis auf so eine Rate guten Gewissens weglassen und bei jemandem, der kaum Berührung mit der Suchmaschinenoptimierung hat, sind solche Verweise eher gefährlich.
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wichtigkeit des Keywords dem Verfasser des Textes klar sein sollte, eine festgelegte Rate jedoch schnell zum Stuffing führen kann und so den Textfluss stört.

  3. Toller Artikel! Schön hergeleitet – KW-Density finde ich auch weiterhin oft überschätzt, sollte einfach ein gut lesbarer, informativer Text sein, der dem Nutzer einen echten Wert bietet. Ist das gewährleistet, ist eine natürlich Häufigkeit der wichtigsten Keys gegeben. Allein bei Title & Description lohnt sich ein genauerer Blick – so das dieses den Mehrwert auch in der SERP schon erkennbar macht – das wird oft noch übersehen.

  4. “Im Zweifelsfall kann ein solches Vorgehen sogar zu einer Abstrafung führen und somit nach hinten losgehen.”

    Das passt ja zum momentanen Hype um Matt Cutts Statement gegen “überoptimierte” Seiten. Nur – ist ein folgender Rankingverlust durch eine zu hohe KW-Dichte ein Filter oder ein Penalty?

    Da würde mich mal Deine Meinung interessieren.

    Gruß, Markus

  5. Hi Markus,

    bitte entschuldige die späte Antwort.

    Die mögliche Abstrafung, die ich meine, ist eine Penalty. Einen automatischen Filter habe ich diesbezüglich noch nicht feststellen können.

    Beste Grüße, Olaf

  6. Hallo,

    wir sind uns sicherlich alle einig, dass viele klassischen SEO-Strategien mittlerweile der Vergangenheit angehören und wenn überhaupt nur noch geringe Auswirkungen haben.
    Einerseits kann ich zwar den Beitrag unterstützen, aber andererseits ist die Auswirkung falsch beschrieben. Eine gute Onpage-Optimierung und eine inhaltlich reiche Seite bewirken positive Effekte auf der Ebene des Social Media. Google richtet sich zur Zeit klar in diese Richtung aus und auch die allgemeinen SEO-Bemühungen der Webmaster sind hier sehr zielgerichtet.

    mfG

    Marc

  7. Hallo Olaf,

    kein Thema. Nur wie soll dieser Penalty ausgelöst werden? Manuell durch die “Heerscharen” von Googles Quality Ratern (siehe Thesen hier weiter unten: http://seolobster.de/guideline-viraler-share-tweetbait/)

    …oder letzten Endes doch automatisiert? Dann wäre es ja algorythmisch, und somit durch die Verringerung der KW-Dichte wieder zu lösen. Und nach Ende der Penalty-Zeit wäre man wieder raus…

    Stecke gerade mitten in diesem Problem. Was dabei interessant ist: Die Penalty betrifft nur neue Posts, die zwar in den Index kommen, aber nicht mal mehr für den eigenen, exakten Title ranken. Alle älteren Artikel sind weiterhin im Ranking unverändert – so zusagen eine “New Post Penalty”. Any ideas?

    Gruß, Markus

  8. Hallo Markus,

    die Verringerung der Keyword-Dichte ist sicherlich kein schlechter Anfang. Wie lange steckt Deine Seite denn jetzt in dem Problem?
    Klingt für mich so, als hättest Du generell nur die Wahl, entweder die Keyword-Dichte zu verringern und abzuwarten oder die Keyword-Dichte zu verringern und Google zu verständigen, dass sie Deine Seite nochmal prüfen sollen (http://support.google.com/webmasters/bin/answer.py?hl=de&answer=35843).

    Einen besseren Tipp kann ich Dir momentan leider auch nicht bieten. Bin ebenfalls gespannt, was für Erfahrungen, Du da machen wirst.
    Ich wünsche Dir frohe Ostern – trotz Penalty!

    Gruß, Olaf

  9. ja, das Keyword Stuffing war mühsam

    Die Freshness kann ich leider auf meiner Site noch nicht bieten, das ist wirklich arbeitsintensiv..

  10. @Freshness: Ist das so neu?

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