Dienstag , 24 April 2018

Eine satirische Betrachtung von Google+

Es gibt hier einiges durchzudenken, deshalb starten wir gleich. Ich richte mich hier an die Punkte, die auf vielen SEO-Blogs jetzt so zum Thema Google+ aufgelistet werden. (Bazinga!) soll immer etwas Ironie andeuten.

1. Ich muss in möglichst viel anderen Kreisen sein

Es ist bestimmt positiv das zu erreichen, denn schließlich kann ich so die Aufmerksamkeit meiner Kunden relativ gut steuern. Denn die Inhalte, die ich als Unternehmen X in Google+ bevorzuge, werden für die Leute, die Unternehmen X in ihren Kreisen haben, jetzt auch sehr hervorgehoben unter die Suchergebnisse gemischt. Als umsichtiges und langfristig planendes Unternehmen, werden ich natürlich immer die Konkurrenz-Produkte, die besser und günstiger sind, in meinem Google+ Profil empfehlen.

Vorteile für Unternehmen (Bazinga!):

Produkte mit hoher emotionaler Bindung können gut vermarktet werden. Hier wären die üblichen Verdächtigen zu nennen, wie Computerspiele, Fanartikel, Film & Musik, Events, Autos, Bücher, Tourismus usw. Wobei „Autos“ natürlich ein gutes Beispiel für den Fall sind, „emotionale Bindung“ künstlich aufzubauen. Jedes Unternehmen, welches sich als talentiert herausstellt seinen Produkten einen emotionalen Wert zu geben, hat dies vor Google+ belegterweise absolut versäumt und kann nun alle Facebook und Twitter Profile auflösen um endlich virales Marketing zu betreiben.

Unternehmen können sich mit der Hilfe von Google+ praktisch eine Monopol-Stellung (wobei hier Google nur mehr Instrument und nicht üblicher Verdächtiger ist -> Chamäleon-Strategie von Google) aufbauen, da die Kunden immer schwerer Zugang zu allen Marktangeboten erhalten. Wenn der Informationshorizont von Kunden eingegrenzt wird, dann begünstigt das Monopolstellungen. Jetzt hat natürlich jeder die freie Wahlmöglichkeit, ob er das Monopol-Unternehmen X in seinem Kreis hat, wie er eine Facebook-Page Liken kann oder eben nicht. Aber hat nicht auch jeder theoretisch die freie Wahl ein Microsoft oder Apple  Produkt zu verwenden oder nicht (ich kann mich nur mehr schwer an den Microsoft-Kartell-Fall erinnern).
Dieser Punkt ist natürlich sehr abstrakt, da auch immer noch andere Suchergebnisse zwischen die Google+ Ergebnisse gemischt sind, aber wenn ich eine Facebook-Page „like“, abonniere ich einen Newsletter, der mir dort angezeigt wird, wo ich ihn erwarte. Das Google+ „Newsletter-Abo“ wird dem Kunden an Orten zugestellt, wo er nicht zwangsläufig damit zu rechnen hat? Aber da sich ja alle Unternehmen an den Google-Grundsatz „be good“ halten, wird das bestimmt nicht ausgenutzt.

Vorteile für Kunden (Bazinga!):

Gerade an den dritten Vorteil für Unternehmen angelehnt, hat der Kunde es natürlich immer besonders einfach all die Produkte seines Lieblingsunternehmens zu finden. Wer einmal BMW-Fahrer war, will dies natürlich immer bleiben. Google+ hilft dabei enorm, indem bei dem Keyword „Auto Preisvergleich“ natürlich der Preisvergleich zwischen einem 3er BMW und dem neuesten 7er angezeigt wird. Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Aber man hat natürlich als Google+ Suchender nicht nur Unternehmen in den eigenen Kreisen, sondern auch viele Bekannte und durch deren Empfehlungen wird das Sucherlebnis enorm angereichert. Das wird vor allem dadurch garantiert, dass alle meine Facebook-Freunde ja auch schon immer den gleichen Film-Geschmack wie ich hatten und in jedem Bereich unschlagbare Experten sind. Fred Feuersteins Auto-Empfehlungen machen sich bei jeder objektiven Kaufentscheidung gut und in Sachen Bier sollte jeder diesen Experten in seinem Kreis haben.

2. Google+ Profil optimieren

Der Netzwelt ist es natürlich keineswegs entgangen, dass bei der Optimierung des Google+ Profils die ersten 55 Zeichen bei der Einführung besonders wichtig sind und außerdem der Bereich „Beschäftigung“ das gewünschte personalisierte Ergebnis noch besser Ranken lässt. Ich denke hier kann sich endlich ein gewisser Nostalgie-Effekt durchsetzen: Zurück zu den Zeiten als <meta name=“keywords“> noch sehr ausschlaggebend für die Suchergebnisse war.

Außerdem sind alle guten Dinge drei, denn ich darf jetzt auf Facebook, Twitter und sogar noch auf Google+ allen mitteilen, dass mir von der letzten Pizza absolut schlecht wurde. Nur wie wirkt sich das aus, wenn einer meiner Kreisel-Kollegen nach einem Lieferdienst sucht?

3. +1 auf der Website einbauen

In den Google-Webmaster-Richtlinien steht unter Qualitätsrichtlinien der Satz „Erstellen Sie Seiten in erster Linie für Nutzer, nicht für Suchmaschinen“. Ich bin so endlos glücklich, dass ich jüngst auf allen Kredit-, Hämorrhoiden- und Gentechnik-Seiten, die ich betreue einen Facebook-Like-Button, einen Twitter Button und einen +1 Button einbauen durfte. Ich bin mir sicher, dass das Nutzer-Erlebnis durch das klicken all dieser drei Buttons extrem verbessert wurde. Zumindest will ich es hoffen, sonst existiert meine Seite bei Social Search ja nicht mehr.

Wenn ich dann endlich noch digg und flickr und LinkedIn hinzugefügt habe, dann hab ich in Sachen Codezeilen ja schon eine sehr annehmbare Website. Dann füge ich noch Google AdSense hinzu und stelle mir vor wie alle Nutzer auf die Seiten kommen und einfach mehrere Klickgeräusche machen.

Klick (Facebook-Like)

Klick (Google +1)

Klick, Klick (Twitter-Post)

Klick, Klick, Klick, Klick…

Klick auf AdSense Banner und ich hab Geld verdient.

Das ist die perfekte Seite, wenn man sich überlegt, dass sich die AdSense Banner auch noch nach den Google+ Profilen der +1-Klicker auswählen. Da kann nur DIE passende Werbung kommen. Mir macht nur die Konkurrenz-Situation dann ein wenig sorgen, denn wenn ich mit dem Finden von Strg+C und Strg+V eine Website mit über hundert Code-Zeilen bauen kann, bin ich sicher nicht der letzte, der auf diese Idee der perfekten Seite kommt.

4. Ich dachte 1984 wäre schon vorbei

Erfahrene SEOs haben natürlich eine sehr progressive und geplante Arbeitsweise. Da werden oft Konkurrenz-Backlink-Analysen angestellt und es wird versucht Links von den gleichen Seiten zu aquirieren. Ich bin absolut heilfroh, dass sich das gleiche System auch auf Google+ anwenden lässt. Nur alle Mail-Relais auf dem schönen weiten Planeten werden sich wohl weniger freuen.

Die Mail-Relais können mir ja egal sein, denn Mails sind meist gratis oder bei Newsletter-Systemen fast gratis und ich kenne ein paar Newsletter Anbieter. Ich schreib einfach alle Leute, in deren Kreisen sich meine Konkurrenz befindet auf ihrer @gmail.com Adresse an und bitte sie auch mich in ihren Kreisen aufzunehmen.

Damit die Sache fair bleibt hier schonmal der ungefähre „Code“ des neuen „Social-Link“-Tools, wobei ich es lieber „Stasi meets Bush Tool“ nennen möchte (Name ist bereits per Copyright geschützt):

var1 = konkurrenz;

search Google+ Profiles;

if var1(in circle) == true => save mail-adress;

if var1(in circle) == false => move to next;

export saved mail-adress to newsletter;

SPAM Newsletter;

Die Frage ist nur ob dann jemand noch gleicher als gleich ist?

 

Nein, nun jetzt hier im Ernst. Google+, Social Search und Social Media gesamt sind für viele SEOs bestimmt eine gute Sache, denn SEO ist in meinen Augen schon seit längerem mit Online-Public-Relations-Arbeit zu vergleichen. Wenn man das so sieht, dann muss man für SEO als auch für Social Media einen ziemlich ähnlichen Werkzeugkasten an Fähigkeiten mitbringen. Derzeit gibt es denke ich noch wenig Anzeichen, dass sich klassisches SEO und Social Search gegenseitig absolut ausschließen – sie ergänzen sich (noch zumindest) eher.

Trotzdem hoffe ich, dass dieser Beitrag hier und da einen kleinen Schmunzler erzeugen konnte und durch die überzogene Darstellung ein paar Denkanstöße geben konnte. Und jetzt los und da Klick, Klick, Klick machen gehen (Bazinga!)

 

 

Patrick Berger
Im Jahr 2008 im Bereich Suchmaschinenoptimierung parallel zum Wirtschaftsstudium selbstständig gemacht. Das Wirtschaftsstudium ist derzeit etwas in den Hintergrund gerutscht dank mehrfacher Herausforderungen im Bereich Online-Marketing und durch konstant jährliche Umsatzverdoppelung. Unser Hauptgeschäftsbereich liegt in jedem Fall in der Offpage-Optimierung (diverses Linkbuilding).

2 Kommentare

  1. Pointierter Schreibstil !!

    War frein zu lesen

  2. fein, meinte ich (das ‚f‘ war ein Tippfehler, sorry!)