Sonntag , 18 Februar 2018

Twitter als Killer-Headlines-Bootcamp

Warum gute Texter twittern sollen? Weil 140 Zeichen, täglich mehrmals abgefeuert, das beste Training für künftige Headline-Kings sind.

„Wir sind Papst!“ Jahrhundert-Headlines sind kein Zufall, sondern Handwerk in Perfektion. Wer solche Texte schreiben will und dabei ausschließlich auf den Kuss der Muse baut, sollte sich auf lange, unbefriedigende Wartezeiten einstellen. Denn diese Musen sind furchtbar launische Wesen. Kommen selten vorbei, wenn man sie braucht. Und sind mit Küssen, die in Erinnerung bleiben, ganz schön geizig.

Ich rate daher dringend zu Alternativmethoden. Wenn es darum geht, verdammt gute Titel für Pressetexte, Newsletter, Blogbeiträge oder Websites zu schreiben, nützt es nix. Man muss das Handwerk trainieren.

Was das alles mit Twitter zu tun hat? Ganz einfach: Twitter ist mein Geheimtipp als modernes Ausbildungszentrum für Headline-Texter. Das Bootcamp für die Titel-Könige von morgen. Und das funktioniert so:

  • Legen Sie sich einen Twitter Account zu, den Sie mustergültig asozial ausgestalten: Fake-Name, alle Tweets auf privat schalten, niemandem folgen, nicht findbar für die Welt da draußen.
  • Vereinbaren Sie mit sich selbst einen ambitionierten Trainingsplan. Jeden Tag ein Tweet, fürs Versäumen, Vergessen oder Verbummeln gibt’s drei Runden extra.
  • Okay, wir wollen nicht so hart sein: Sonntag dürfen Sie Pause vom Killer-Headline-Bootcamp auf Twitter machen. Der Herr hätte an seinem Ruhetag auch nicht getwittert.
  • Ziele stecken: „In drei Monaten will ich mindestens 10 lustige, aufsehenerregende, zum Lesen animierende Kurztexte geschrieben haben.“
  • Übung und Disziplin machen Headline-Meister: Morgens vor dem Zähneputzen, spontan tagsüber oder abends vor dem Einschlafen. Wann Sie ins Training gehen, ist egal – Hauptsache sie ziehen es durch.

Tag 1: Auf die Tasten, fertig, los. Und nur nicht entmutigt sein, wenn an diesem Tag (und an vielen folgenden) noch kein großer Wurf gelingt. Sie müssen ihre kurzen Sprachmuskeln schließlich noch trainieren.

Die langen, ausdauernden stehen wahrscheinlich schon gut im Saft, wenn Sie passioniert Texte schreiben. Aber mal ehrlich: Langstreckenlauf ist auch deutlich einfacher als 140-Zeichen-Sprint.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ein 14.000 Zeichen Artikel ist Routine. Seine Headline mein Waterloo. In meinen vielen Jahren Texterdasein war ich mehrmals knapp davor, meinen Kampf um die perfekte Headline resigniert aufzugeben. Zu akzeptieren, dass ich einfach niemals ein begnadeter Titel-Texter sein würde.

Aber zieht man in Schlachten, um sie zu verlieren? Halleluja, nein! Mein selbstverordnetes Twitter Killer-Headline-Bootcamp zeigt erstaunliche Wirkung. Wenn ich durch vergangene Workouts scrolle, sind Headlines dabei, denen ich einen öffentlichen Auftritt gerne vergönnt hätte. Wenige Zeichen Text, so kraftvoll, dass ich mich frage: Wo ist noch mal Waterloo?

Dort, wo Robinson auch ist.  Auf einer Insel. Freitag ist auch da.

Martina Müllner
Martina Müllner ist Inhaberin der 2003 gegründeten Kommunikationsagentur MMPR & MMTEXT. Das zehnköpfige Team der Salzburger Redaktions- und PR-Agentur betreut namhafte Kunden in ihrer offline- und online PR-Arbeit. Darüber hinaus ist die Agentur als Spezialist für SEO-Texte und Online-Publishing bekannt.
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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Tipps. Ich bin ziemlich kopflastig, aber ich werde jetzt üben, die Texte meines Blogs mit kreativen Headlines zu twittern.

    Ich werde also wieder überall in der Wohnung meine Zettel (aus alten DIN-A4-Seiten 4 kleine DIN-A6-Zettel) deponieren und dort Ideen sammeln. Bin selbst auf meine Ergebnisse gespannt 😉