Montag , 5 Dezember 2016

SEO mit Blogs: Warum gute Inhalte immer wichtiger werden

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Weit mehr als nur ein Raunen ging mit Googles Panda-Update durch die Webmaster- und Blogger-Szene. Wohl jeder von uns kennt im eigenen oder näheren Umfeld das ein oder andere Portal, für das sich die Qualitätsoffensive aus Mountain View eher zu einem mittelprächtigen Paukenschlag entwickelte.

Noch vor Kurzem waren folgende Internetportale teilweise extrem erfolgreich: Zum einen so genannte »Content-Sammler«, die wild und meist automatisiert irgendwelche Text- sowie Bildinhalte »zusammenklauten«, um diese dann teilweise oder manchmal sogar komplett unter ihrem eigenen Domainnamen zu veröffentlichen. Und zum anderen reine SEO-Portale, deren Kunst wie wir wissen darin besteht, Texte nicht etwa werthaltig „optimiert“ für Menschen, sondern für eine möglichst gute Position innerhalb der einzelnen Suchmaschinen zu schreiben.

Mit diesen – zumindest für meine Branche – mitunter sehr unerfreulichen Gebilden konkurrierten nun wertvolle Blogs, die ihrerseits Artikel bereitstellten, für die sich der jeweilige Autor manchmal gut und gerne ein paar Stunden pro Tag Zeit nahm. Beide Seiten existierten eine ganze Weile lang mal mehr, mal weniger erfolgreich nebeneinander her. Der eine nur aufgrund seiner möglichst »billigen« Inhalte, der andere eben fast ausschließlich, weil er statt purer Quantität auf Qualität setzte, die sich langfristig bei den Lesern dann doch herumsprach.

Der wenig niedliche Panda

Alleine Googles viel gefürchtetes »Panda«-Update hat nicht wenigen Content-Farmen das Geschäft in den letzten Monaten dann doch gründlich erschwert, während so mancher Qualitätsblogger sich über steigende Ränge in den Suchmaschinenergebnissen (SERPs) freuen durfte. Gute Inhalte und dementsprechende Bemühungen erleben seither eine wahre Renaissance, selbst wenn sich qualitativ hochwertiges Texten und jegliche erzwungene Strategie hierzu eigentlich ausschließen. Zu spüren ist dieser Effekt bei uns Bloggern unter anderem an der stark zunehmenden Nachfrage nach Gastbeiträgen jeglicher Art.

Doch was sind „qualitativ hochwertige“ Texte überhaupt? Was wird einen Blog- oder Portalleser dazu bewegen, länger als nur ein paar Sekunden auf ein und demselben Blog zu verweilen? Ja, vielleicht sogar wiederzukommen, einen Bookmark zu setzen, die Seite oder den Artikel bei Google Plus, Facebook, Twitter oder wo auch immer weiterzuempfehlen? Nichts anderes als gute, ihm in seiner ganz persönlichen Situation weiterhelfende oder ihn zu diesem Zeitpunkt schlicht unterhaltende Inhalte.

Es besteht hierbei eigentlich kein Unterschied zur Offline-Welt. Warum kaufen Sie sich regelmäßig eine bestimmte Zeitschrift oder Tageszeitung? Wieso empfehlen Sie das eine Buch allen Ihren Freunden weiter, das andere jedoch nicht? Welche Sachbücher haben es in das am besten erreichbare Schrankfach auf Ihrem Arbeitsplatz oder in Ihrem Büro zu Hause geschafft? Nur diejenigen, die Sie auch wirklich fachlich oder persönlich weitergebracht haben. Und genau dies müssen erfolgreiche Texte in Weblogs oder Corporate-Blogs sowie bei jeglichen inhaltsbezogenen Portalen ebenfalls leisten.

Was macht gute Web-Texte aus

Bleibt noch die Frage, wie ein solcher Text denn nun genau aussehen sollte. Was ist wichtig bei der Erstellung guter Beiträge? Welche Elemente sollten in diesen vorhanden sein? Was gefällt meinen Lesern und mit welchen stilistischen Mitteln kann ich diese an den Artikel und damit auch an mein Portal selbst binden? Gute – im Sinne von werthaltige – Texte in einem Weblog sollten möglichst:

  • Einzigartig und »neu« sein: Was relativ logisch klingt – denn schließlich verfügt Ihr Portal mit einem solchen Artikel über ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, welches sich schnell herumsprechen wird –, kann man auch relativ einfach umsetzen. Handelt es sich nicht um ein absolut neues Thema, so lesen Sie sich ganz genau einige ähnliche Beiträge themenverwandter Blogs und Portale durch. Meist wird Ihnen der eine oder andere Aspekt in diesem Beitrag fehlen, der Ihnen ganz persönlich zu kurz gekommen ist oder gar nicht erst beantwortet wird. Ihr perfekter Aufhänger also für einen einzigartigen Artikel.
  • Überraschen: Eine unerwartete Wendung im Textinhalt, selbst erlebte Anekdoten, wichtige Ankündigungen, ungewöhnliche Formulierungen, interessante Zitate, sich erst im Laufe des Artikels auflösende kreative Zwischenüberschriften – all das wird dazu beitragen, dass Ihre Texte gerne gelesen werden, und etwas Besseres kann Ihnen kaum passieren. Generell verhält es sich mit jeglichen Emotionen, die Ihre Beiträge auslösen, ähnlich, wobei Sie insbesondere vorsichtig dabei sein sollten, mit negativen Gefühlen Ihrer Leser zu spielen.
  • Zum Nachdenken anregen: Nicht immer muss jede Zeile eines Beitrags bis zum letzten Ende ausformuliert sein. Aber auch etwa offene und rhetorische Fragen nach der Art »was wäre, wenn …« können ein gutes Stilmittel sein, um den Leser seine eigenen Schlüsse aus Ihrem Text ziehen zu lassen, gerade wenn es um kontroverse Themen mit vielen vorhandenen Einzelmeinungen geht. Ein weiterer Vorteil: Mit solchen offenen Fragestellungen – etwa am Ende eines Beitrags eingesetzt – regen Sie Ihre Leser zusätzlich zum Kommentieren an.
  • Persönlichkeit besitzen und ausstrahlen: Ohne dass Sie mehr über sich verraten müssen, als Ihnen lieb ist, und ohne dass es unangemessen wirkt, kann eigentlich absolut jeder Blog und jedes Blogthema von einer persönlichen Note sehr stark profitieren. Und manchmal – bei den wirklichen Blogperlen – lebt das gesamte Portal von diesem ganz speziellen Flair. In gewissen Grenzen lässt sich diese Tatsache auf jegliche Internetportale adaptieren.
  • Informativ sein: Dieser Punkt klingt selbstverständlicher, als er es meist ist. Natürlich gibt es Artikel, die einfach nur einen gewissen Unterhaltungswert bieten und nicht zuletzt deswegen von den Lesern geschätzt werden. Nicht vergessen darf man darüber hinaus jedoch, dass ein Portalartikel in der Regel vor allem eines vermitteln sollte, um werthaltig zu sein: Informationen. Fragen Sie sich in einem solchen Fall also immer, welche Fakten Sie Ihren Lesern noch zusätzlich vermitteln könnten, selbst wenn diese lediglich in der schlichten Benennung spannender weiterführender Verweise bestehen.
  • Ihre Leser stets weiterbringen: Egal ob Sie nun mittels einer kleinen Artikelserie detaillierte Anweisungen und Ratgeberbeiträge erstellen, die Ihrer Zielgruppe zusätzliches Wissen vermitteln, oder ob Sie – zum Beispiel innerhalb einer Kommentardiskussion – mit Ihren Lesern konstruktiv über zukünftige Trends und Entwicklungen auf dem jeweiligen Fachgebiet debattieren. Jegliche Inhalte, die Ihre Leser in ihrer ganz persönlichen Entwicklung voranbringen, werden dafür sorgen, dass Ihr Contentportal zu einer echten »Instanz« heranwachsen wird.
  • Ein Bedürfnis bedienen: Dieser Aspekt geht in eine ähnliche Richtung wie der zuvor genannte. Nur wenn für Ihren Artikel überhaupt ein Markt an Interessenten da ist, nur dann besteht auch die große Chance, dass dieser gefunden und gelesen wird. Durch eine ganz einfache Fragestellung können Sie dies überprüfen: »Warum sollte sich irgendjemand ausgerechnet für diesen Beitrag interessieren?«. Oder »Würde ich diesen Text meinen eigenen Freunden bei Google, Facebook, Twitter etc. weiterempfehlen?«. Können Sie diese Fragen nicht beantworten, dann fehlen in eben diesem Artikel wohl noch einige Fakten und Einsichten, die ihn wirklich lesenswert machen.
  • Der Zielgruppe entsprechend gestaltet werden: Als Spezialist auf Ihrem jeweiligen inhaltlichen Blog-Gebiet kennen Sie Ihr Auditorium am besten. Das sollte man auch anhand der Form sowie der Sprache Ihrer Inhalte merken. Der Outdoor-Ausrüster wird sich in der Regel einer anderen Terminologie bedienen als der Lebensversicherungsblogger, um dauerhaft erfolgreich zu sein und authentisch zu wirken. Lassen Sie diesen Blick gegebenenfalls von Außenstehenden kritisch überprüfen.
  • Ihre Inhalte einprägsam vermitteln: Nur wenn man sich auch noch einige Zeit nach dem Lesen des eigentlichen Beitrags an dessen Text oder Inhalte erinnert, erst dann haben Sie Ihr volles Ziel erreicht, nämlich Informationen nachhaltig weiterzugeben. Beispiele aus der Praxis, erlebte Geschichten, eine leicht übertriebene Darstellung – natürlich ohne dabei unseriös zu werden –, hypothetische Fragen an die Zukunft der jeweiligen inhaltlichen Materie und Weiteres mehr kann gut dazu beitragen, dass Ihre Texte bei den Lesern nachwirken.
  • Bildhaft und plakativ dargestellt werden: Dieser Punkt geht in eine ähnliche Richtung. Wenn Sie mit Ihren Texten die Vorstellungskraft anregen, Visionen entstehen lassen, in gewisser Weise Ihre Leserschaft sogar dazu anregen, »Bilder« zu malen, dann wird man sich nicht nur an diese, sondern auch an deren Urheber – Ihren Blog – erinnern. »Zu abstrakt für meinen bodenständigen Blog«, denken Sie sich nun? Fragen Sie sich einmal, was etwa den besten Technikblog ausmacht, den Sie kennen. Ist es nicht genau diese Fähigkeit, Ihre Fantasie bezüglich der Zukunft anzukurbeln?

Sie haben diese Punkte oder die meisten davon bislang nicht berücksichtigt? Auch Ihnen waren die empfangenden Maschinen oft wichtiger als die Menschen dahinter? Ein kleiner Trost: Gutes Schreiben kann man durchaus lernen. Zwar bekommen wir Qualitätsblogger damit letztendlich eine neue und bislang ungeahnte Konkurrenz zur Seite, doch wenn der allgemeine Mehrwert dafür stimmt, so werden wir dies wohl verschmerzen können.

Michael Firnkes
Der Berliner Informatiker und Autor Michael Firnkes bloggt seit sechs Jahren mit diversen Portalen.2010 hat er sich als hauptberuflicher Blogger selbstständig gemacht. Zuvor arbeitete er unter anderem als Marketing- & Sales-Verantwortlicher, Bankkaufmann und Redakteur, zuletzt als CRM-Manager bei einem der größten deutschsprachigen Internetportale. Seine Erfahrungen zu dem hierzulande noch recht jungen Berufsbild »(Corporate) Blogger« gibt er unter anderem in seinem neuen Buch „Blog Boosting“ weiter.
Michael Firnkes

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11 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese ausführliche Ausarbeitung zu dem Thema Panda-Update.

    Auch mein Blog wurde Anfang August empfindlich von dem Panda getroffen und ich habe Einbrüche von mehreren hundert Lesern pro Tag zu verkraften.

  2. @Marc: Wie gehst du persönlich damit um, ist deine Konsequenz u.a. auf mehr Qualitätscontent zu setzen oder hattest du diesen schon vorher?

  3. Mein Blog habe ich schon immer für den Menschen geschrieben und noch nie für Suchmaschinen. Es ist spannend für mich, jetzt auch dafür zu sorgen, dass ich mich mit SEO auskenne – aber das ist nicht und war nie mein Anliegen warum ich blogge. Letztendlich geht es darum, etwas zu schaffen, das für andere nützlich ist und an dem ich Spaß habe. Dann werde ich im Web 2.0 weiterempfohlen „guck mal was ich gefunden habe“ und die Listung bei den Suchmaschinen ist zweitrangig geworden. Oder nicht?

  4. @Shivani: Allerdings. Journalisten und Fachexperten die selbst bloggen kennen quasi gar nichts anderes, und sind deswegen oft so erfolgreich mit diesem Medium. Schwieriger wird es nun für jene „Texter-Quereinsteiger“, die von Anfang an eher das SEO-Handwerk gelernt hatten, und es gewohnt waren, vorrangig für Maschinen zu schreiben..

  5. Einzig und allein für die Maschine zu schreiben, auf die Idee würde ich niemals kommen, auch wenn ich mich gerne mit SEO beschäftige. Denn im Vordergrund sollten beim Bloggen der Leser stehen und seine Bedürfnisse und auch nur so macht es auch wirklich Spaß. Denn die Maschine platziert einen vielleicht auf der ersten Seite in den Suchergebnissen, dann kann man stolz darauf sein. Aber noch viel schöner ist es, wenn der Leser einem sagt: „Danke, dein Artikel hat mir weitergeholfen“.
    Nur leider ist es so, dass man auch ein bisschen SEO und Werbung für den Blog braucht, um vor allem am Anfang überhaupt Leser zu bekommen. Ich sehe das oft bei meinen „Frauenwebsites“: Tolle Artikel, die wirklich einzigartig und informativ sind, aber keine Leser, denn es fehlt das SEO.

  6. @Vanvox: Das ist dann natürlich wirklich schade, wenn tolle Inhalte einfach nicht gefunden werden, wobei diese in der Regel bei Google von ganz alleine aufsteigen, wenn sie denn gerne gelesen werden? Ein Problem hat man allerdings bei nicht-technikaffinen Themen, denn dann erfolgt von selbst auch kaum eine proaktive Verlinkung..

  7. Hallo Michael,
    vielen Dank für deinen Schönen Artikel, indem du die Wichtigkeit des Contents in Bezug auf Suchmaschinenoptimierung darstellst.
    Ich persönlich finde es sehr schade, wie auch vanvox schon andeutet, dass man nun in seinem Blog nicht einfach nur für interessierte Personen schreibt, sondern sich mehr und mehr an gewisse „regeln“ halten muss. So macht es einfach nicht mehr so viel spaß.

    lg

  8. @“SEO“: Auch wenn du dich mit der Suchmaschinenoptimierung sehr gut auszukennen scheinst antworte ich dir gerne:

    Ich kann dich trösten, meine erfolgreichsten Portale sind just jene, bei denen ich mir über jegliche Optimierungsmaßnahmen gar nicht erst den Kopf zerbreche, sondern ganz nach meiner Lust und Laune schreibe. Der Artikel richtet sich eher an die Zielgruppe, die es bislang nicht gewohnt war, wirklich leserorientiert zu schreiben. Von daher besteht noch Hoffnung :-)

  9. Danke für den sehr schönen und vor allem ausführlichen Bericht zum „ersten“ Panda Update. Inzwischen gab es ja noch ein zweites Panda Update bzw. eine Nachjustierung sowie den Pinguin. Aber nach meinen Beobachtungen waren neben Blogs auch vor allem Foren betroffen. Hier jedoch sehr positiv und mit Zuwächsen in der Sichtbarkeit. Inzwischen wurde auch der Panda bei einigen Blogs wieder „abgeschwächt“ Ich sehe einige Blogs auf die alten Positionen zurückkehren