Sonntag , 18 Februar 2018

Raffiniertes Marketing aus der Schweiz – der Fall Obermutten

Nur um die wichtigsten Daten gleich vorweg zu nehmen, Obermutten ist ein beschauliches 80-Seelen Dorf und liegt in der schönen Gemeinde Mutten Graubünden. Diese kleine Gemeinde sorgt neuerdings in der Facebook Gemeinde für Furore.

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Wer hat’s erfunden?
Ganz genau – die Schweizer! Dabei ist die Idee mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen recht simpel. Jeder der beim Besuch der Fanpage auf „Like“ klickt, kommt samt seinem Profil an das Anschlagbrett der Gemeinde. Dadurch kann man sich auch außerhalb der EU auf neutralem Gebiet niederlassen – ganz bequem durch einen Klick und ohne lästige Passkontrollen.

Bereits nach einer Woche hatte das Dorf fünfunddreißig Mal so viele Fans wie Einwohner. Zum Vergleich: Obermutten hat 2.800 Fans (Stand 4. Oktober), Darmstadt (viertgrößte Stadt des Landes Hessen) 1.062 Fans.

Der Zufluss scheint ungebremst
Die Gemeinde ist in aller Munde. Die positive Resonanz auf diese Aktion für die Gemeinde ist bemerkenswert – das Echo schallt in allen Medienkanälen, u.a. Blogs, Fernsehen und Presse fortan weiter. Allerdings gibt sich der Gemeindepräsident Martin Wyss betont bescheiden: „Obermutten pflegt eine persönliche Beziehung zu seinen Gästen. Hier zählt nicht die Masse, sondern jeder Einzelne. Warum sollte dies für uns nicht auch im Internet so sein?“ Quintessenz: Qualität vor Quantität. Falls der Ansturm jedoch nicht abflachen sollte, wird die Gesamte Gemeinde wohl bald mit Facebook Profilen zutapeziert sein. Am Anschlagbrett ist der Platz binnen kurzer Zeit aufgebraucht gewesen. Neuerdings findet man die Portraits an einer Scheune, die ein Gemeindemitglied freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

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Wer sich zudem bereit erklärt hat der Gemeinde einen Besuch abzustatten, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen sich vor seinem Profil abzulichten, um ein Gratis Kaltgetränk in dem Gasthaus „Post“ abzustauben. Dort nahm alles seinen Anfang. Der erste Fan, namentlich Gerhard Flatscher ist gleichzeitig auch der Pächter des Gasthauses „Post“. Er kümmert sich täglich darum, dass die neuen Fans ihren Platz in der Gemeinde finden. Auf alle Fälle ist das ein Paradebeispiel für gelungenes virales Marketing, das Touristen in die idyllische Umgebung lockt und das mit minimalem Budget.

Oliver Hauser
Oliver Hauser ist Inhaber des Salzburger Unternehmens get on top gmbh und Betreiber des WebmarketingBlog.at, außerdem ist er mit seiner Firma Next Experts GmbH der Veranstalter der SEO Konferenz SEOkomm und der Online Marketing Konferenz OMX. Seine Spezialgebiete sind Suchmaschinenoptimierung, Suchmaschinenmarketing und Linkaufbau speziell für Österreich.
Oliver Hauser
Oliver Hauser

8 Kommentare

  1. Die Stadt Frankfurt am Main hat mehr als 143.000 Fans.

    http://www.facebook.com/StadtFFM

  2. Vielen dank für den Hinweis Roland – wissen teilen gewinnt bekanntlich Meilen. Ist jetzt entsprechend durch Darmstadt ersetzt worden, damit der Aha-Effekt erhalten bleibt.

  3. Frankfurt hat wirklich mehr Fans. Guter Artikel!

  4. Hey Christoph! Danke für den interessanten und unterhaltsamen Artikel. Wenig überraschend sind es die Schweizer, die noch lieber auf eine offline Wall posten :) Coole Sache!

  5. Hey danke für die information..

  6. Moin,

    super Artikel.

    Vielen Dank

  7. Ob das Marketing wirklich so gradios war, ist nicht nur äußerst umstritten, sondern sogar das Gegenteil ist belegt.

    Warum?

    Normalerweise müßten sich nun alle kleinen, winzigen Berggemeinden der Schweiz um das Modell Obermutten reißen und die Agentur wie Jung von Matt mit dem Marketing beauftragen.

    Warum dies keiner tut, enthüllte die kleine aber unabhängige Internetzeitung Domleschg24.ch in unter anderem diesem Bericht:

    http://domleschg24.ch/obermutten-jung-von-matt-und-die-umstrittene-facebook-aktion-verheerende-bilanz/

    Später – nach Kritik in schweizweit erscheinenden Medien – schrieb auch die bündnerische Quasi-Monopolzeitung Südostschweiz, daß das Modell Obermutten Touristiker „kaltlasse“. Weder in St. Moritz noch in Davos oder sonstwo interessierte man sich vür das Modell. Weil es marketingmäßig falsch angesetzt war. Es kamen zwar massenhaft Facebook-Fäns und ein immenser Verwaltungsaufwand für Obermutten, nur keine Gäste:

    http://domleschg24.ch/obermutten-geheimniskramerei-um-zahlen-warum/