Sep 26
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Das Panda-Update von Google hat im August 2011 ganze Legionen von SEO-Experten (und solchen, die es noch werden wollen) veranlasst, ihre Prognosen über die Entwicklung verschiedenster Webseiten abzugeben. Der geneigte Leser durfte dann Aussagen wie “Endlich werden die ganzen Dreckschleudern abgestraft” und ähnliche akademische Ergüsse lesen, Ursache und Wirkung wurde bedauerlicherweise des öfters verwechselt bzw. ignoriert. Unzählige Tabellen mit “Gewinnern und Verlierern nach Panda” wurden publiziert – verwendet wurde dafür zumeist der Sistrix-Sichtbarkeitsindex. Johannes Beus hat damit etwas geschaffen, wovon die meisten nur träumen können: Die Etablierung eines Defakto Standards, einer anerkannten Metrik zur Erfolgsmessung von SEO-Maßnahmen

Ich darf an dieser Stelle Frank Doerr aka Löwenherz zitieren:

“Der Sistrix Sichtbarkeitsindex ist ein statistischer Wert, eine Kennzahl für die Sichtbarkeit einer Domain in den Suchergebnissen bei Google. Derzeit werden die ersten einhundert Treffer von rund einer viertel Million deutschsprachiger Keywords überwacht. Der Index wird nun berechnet aus der Platzierung einer Domain bei den überwachten Keywords, aus der zu erwartenden Klickrate aufgrund der Positionierung sowie aus dem Wert des Keywords (der erwartete Traffic für die jeweilige Suchphrase).”
Natürlich habe auch ich alle von mir betreuten Portale mit leicht klopfendem Herz beobachtet, ob das Farmerupdate messbare Auswirkungen zeigt. Nachdem Sebastian Socha aber bereits ketzerisch angemerkt hat, dass der organische Traffic auch trotz sinkenden Sichtbarkeitsindex steigen kann, habe ich mir mal ein paar exemplarische Beispiele des österreichischen Marktes angesehen. Meine These war: Der Sichtbarkeitsindex (egal ob von Sistrix, Searchmetrix, XOVI oder einem anderen Anbieter) ist eine gute, wenn auch proprietäre Metrik für die zeitliche Entwicklung einer Website in den SERPs … eine aussagekräftige Maßzahl für realen Traffic ist er allerdings nur sehr bedingt.

©Zhao Bandi at China Fashion Week 2007


Beispiel
: Die mit Abstand größte Nachrichtenagentur des Landes www.ots.at hatte nach Panda einen Rückgang der Sichtbarkeit um -60,78% zu verzeichnen. Karin Thiller, die Geschäftsführerin der APA-OTS Originaltext-Service GmbH, war so nett und hat mir einige spannende Internas verraten.
“Der Jahresvergleich 2010 / 2011 (Zeitraum 01.08.- 23.08.)  zeigt einen generellen Verlust an Traffic von ca. 15%, der sich besonders stark bei den Suchmaschinenzugriffen zeigt (55,06% vs. 67;6%) , die direkten Zugriffe und Verweisseiten sind um jeweils ca. 34% gestiegen. Dazu  kommt, dass die Anzahl der Zugriffe auf ots.at  von der Anzahl der Aussendungen abhängt und sehr starken saisonalen und Wochentags-Schwankungen unterliegt. Der August hat die wenigsten Aussendungen und damit auch die wenigsten Zugriffe im ganzen Jahr, und heuer besonders, da im Gegensatz zum Vorjahr keine Herbstwahlen stattfinden. Da OTS ein Dienst mit sehr allgemeinen und breitgestreuten Themen ist, ist für uns auch der Longtail wichtig. 

Das Web Development Team bei APA-OTS besteht derzeit aus 3 Personen, die sich auf die permanente Weiterentwicklung der OTS-Ausspielkanäle und auf  die Umsetzung neuer Tools konzentrieren. SEO ist für uns dabei ein permanenter Prozess,  da unsere Websites ein wichtiger und zentraler Ausspielkanal sind. Allerdings sind die Websites nur einer von mehreren Kanälen. Der Wichtigste ist nach wie vor der APA-Online Manager, der die Informationen direkt in die Redaktionen der österreichischen  Medien und Pressestellen liefert, ein anderer das OTS-Mailabo, und wir verteilen unsere Ressourcen dementsprechend.”

Beispiel: Meine einen Stock tiefer befindlichen Kollegen von www.tupalo.com mussten sich über einen Rückgang der Sichtbarkeit um -40,61% ärgern. Ein Monat später waren die realen Zahlen dann bei der ÖWA ausgewiesen: 3,3Mio Besucher entsprechen einer saisonal normalen Schwankung von nur -6% im Monatsvergleich.

Beispiel
: Meine quasi Konzernmutter www.herold.at freute sich noch über einen Zuwachs der Sichtbarkeit um +6,14%. Die geprüften Zahlen wiesen dann mit beeindruckenden 6,6Mio Besucher im August ein moderates Wachstum von +2,8% aus. 

Die nackten Zahlen lassen also eine empirisch fundierte Relation zwischen realem Traffic und SERP-Sichtbarkeit nicht zu, Balsam auf die strapazierte Seele eines SEO sind Verbesserungen im Ranking aber allemal ;-) Nun würde ich es aber als Betriebswirt als äußerst mutig bezeichnen, von einer (durchaus veritablen) Kennzahl bereits auf Gewinner oder Verlierer schließen zu wollen. Ich versuche daher meist, meinen Studenten die ultrageheime Formel für den Erfolg einer Webseite anhand des Thaler-Axiom zu erklären: Content – Traffic – Geschäftsmodell. Schlussendlich manifestiert sich der Erfolg eines Unternehmen erst im bilanzierten EBT – und bis dahin ist es vom erfolgreich geschafften Keyword-Ranking noch ein langer, langer Weg. Was nützen mir die feinsten Plazierungen, wenn mir als Umsatztreiber außer Adsense nichts eingefallen ist? Taschenspielertricks ala Groupon wollen wir ja auch nicht verwenden, oder?

Darum sollten im Hinterkopf eines jeden Portalbetreibers ständig die zwei kritischen Erfolgsfaktoren herumgeistern:

  • Wie bringe ich genügend Besucher (=Traffic) auf meine Site?
  • Wie konvertierte ich diesen Traffic möglichst effizient in Bargeld (=Geschäftsmodell)?
Gewinnst du diese Schlachten, ist der Krieg schon fast in der Tasche und einem siebenstelligen Jahresgewinn steht kaum mehr etwas im Wege.

Autor: Thomas Thaler

Thomas Thaler Thomas Thaler kümmert sich hauptberuflich um das Marketing des Reiseportals www.urlauburlaub.at, ist Touristiker aus Leidenschaft und Überzeugung. Weiters unterrichtet er seit 2005 eMarketing an der Fachhochschule für Management & IT in Innsbruck/Tirol, seine Spezialthemen sind SEO und Geschäftsmodelloptimierung von Portalen.

Weitere Posts zum Thema:

  1. Der Google Panda ist auch in Österreich angekommen – erste Zahlen von Xovi
  2. Panda und das Linkbuilding
  3. Ein Winterfell für den Panda
  4. Real-Time Website Traffic Analyse for free? Ab sofort bei Google Analytics!

13 Responses to “Der Mythos vom SEO Sichtbarkeitsindex”

  1. Oliver Hauser Says:

    hallo thomas, klasse artikel. ich hab mir vor einiger zeit noch ein paar sites im detail angesehen, die so gefallen sind. bei einigen ist mir aufgefallen, dass sie vor allem rankings auf seiten 2-10 verloren haben, die ohnehin selten traffic bringen. und genau diese scheinen bei den verschiedenen indizes eventuell zu hoch bewertet sein. das könnte erklären, warum die kennzahlen so stark gefallen sind, jedoch kaum ein trafficeinbruch zu erkennen war.

    auch jens hat in einem seiner letzten podcasts ähnliches feststellen können:
    http://www.radio4seo.de/seo-house-21-myseosolution-zur-pandaftterung/

    ebenso markus: http://www.internetkapitaene.de/2011/08/14/ein-erster-blick-auf-de-panda-wie-haben-sich-die-rankings-geandert/

  2. Markus Says:

    Mit diesem Gedanken gehe ich auch schon länger schwanger: Nach einhelliger, wenn auch verkürzter Meinung: “User nutzen eigentlich nur die erste Seite der SERPs”, darf ein wie auch immer gearteter Sichtbarkeitsindex (et al.) dem folgend nur die Trafficdaten zur ersten Seite einberechnen und dementsprechend die folgenden Seiten weitaus geringer werten, als dies wohl gerade geschieht. Ich sehe gerade vor diesem Hintergrund die mögliche Korrelation zum Traffic nicht gegeben und es besteht die Gefahr einer Missinterpretation.

  3. Martin Tauber Says:

    Klasse Artikel! Es fällt mir immer wieder auf, wie manche Suchmaschinenoptimierer viel zu viel auf den SI bauen. Den Sichtbarkeitsindex kann man sehr schnell nach oben treiben… was das bringt? Gar nix.

    Beim Panda Update war es oft so, dass Keywords weggefallen sind, die vielleicht von Sistrix als “wichtig” empfunden werden de facto aber so gut wie keinen Traffic bringen. Solange die Money-Keywords oben bleiben läuft das Geschäft und der SEO kann zufrieden sein.

    Beste Grüße und bis zur SEOKomm ;-) ,
    Martin

  4. nce Says:

    Dem kann man natürlich nur zustimmen – wobei ich schon denke, dass ernsthafte SEOs im Blick haben, dass jede Metrik immer nur einen Teil der Wirklichkeit abbildet und immer nur aus der jeweils gewählten Perspektive.

    Wenn die Branche manchmal ein bisschen viel auf ihren Indizes herumreitet, ist das IMHO auch einfach gut-handwerkerliches Geklapper zum Kundenfangen. Denn Otto Normal-SEO-abnehmer möchte doch vor allem eins: die teure AdWords-Kampa durch gepushte Keywordrankings ersetzen, und für ein paar Keywords auf Platz 1 stehen, die meistens wenig rational definiert sind. Wer solche Denkfehler zu früh aufklärt, verspielt Geschäft. Allerdings: wer´s zu spät sagt, frustriert die Kundschaft – beides nicht gut. Insofern: danke für die öffentliche Erinnerung daran, dass die ganze Suchmaschinerei nur ein Teil dessen ist, was am Ende irgendwann mal Marketing-Strategie heißen sollte. Und dass die Conversion am Ende das Maß der Dinge ist.

    Zur Ehrenrettung von Johannes & Co. sei noch angemerkt, dass man in der Sistrix-Toolbox durchaus seinen eigenen SI definieren kann, indem man sich das passende und gut reflektierte Keyword-Set zusammenstellt. Da kommen dann schon Zahlen zusammen, die in Sachen Indexwert und Traffic interessant sind, und auch für´s Benchmarking viel abwerfen.

    Ein ganz anderes Problem an SI-Berechnungen sehe ich aber darin, dass Ranking ja inzwischen wirklich nicht mehr gleich Ranking ist, seit Tante G jedem seine eigenen Top-100 ausspuckt, der nicht alle 5 Minuten Cache und History planiert.

  5. Monika Says:

    der Sistrix Index ist gut für all diejenigen, die gern Zahlen verkaufen

    oder ein Geschäftsmodell haben, das vom Traffic alleine abhängt,

    doch sonst:

    ich kann 1000Keys auf der ersten Seite haben, wenns die falschen sind bringt das gar nichts, aber der SistrixRank ist dann fantastisch.

    ich kann 12 von 1000Keys auf der ersten Seite haben und genau diese bringen den Umsatz, auch wenn dann der SI sehr gering ist.

    ich habe dies vor langer Zeit bereits all meinen Kunden genauso erklärt und seither legen die auf den SI nicht mehr soviel wert,

    wenn ich mich als SEO heute immer noch als purer Traffic Lieferant verstehe und nicht als ” Lead Generator”, dann habe ich natürlich dieser Tage meist ein massives Problem ;)
    aber das find ich gut, denn somit eröffnet dies den Weg zu erkennen, dass SEO darin besteht gezielten Traffic zu bringen und nicht irgendeinen .

  6. David Kitzmüller Says:

    Danke für den interessanten Einblick.
    Eine Korrelation zwischen Gesamttraffic und Sichtbarkeitswerten zu “suchen” ist ja alleine schon deswegen abwegig, weil es ja genügend andere Trafficquellen gibt, die ebenfalls steigen oder fallen und somit Einfluss darauf nehmen. Vor allem über bezahlte Trafficquellen kann ich meine Zahlen entscheidend beeinflussen bzw. schönen – natürlich mit entsprechendem Mitteleinsatz.

  7. Sören Bendig Says:

    Ein Sichtbarkeitsindex, welcher sich auf einen allgemeinen Durchschnitt über alle Branchen bezieht, wird niemals 100% auf das eigene Geschäftsmodell passen und kann nur ein erster Indikator sein. Es gibt allerdings inzwischen ja verschiedene Möglichkeiten eigene – und damit aussagekräftige – Kennzahlen zu berechnen: http://www.seolytics.de/blog/20110819/der-eigene-visibility-rank-fragestellungen-uber-den-nutzen-von-sichtbarkeitsindizes/

  8. Susi Alström Says:

    Der Sichtbarkeitsindex ist ein reiner Indikator. Kein aussagekräftiger Wert. Der Sichtbarkeitsindex ist daher nichts anderes als ein alternativer Pagerank, der aber als Allheilmittel vermarktet sein soll; dies ist der Sichtbarkeitsindex aber auf keinen Fall.

  9. Blog-Artikel-Sammlung 14 | Blog | Social Media | Media Network | Geld verdienen | money2010.de Says:

    [...] Auf dem “Webmarketingblog” gab es einen guten Artikel zu “Mythos SEO Sichbarkeitsindex“! [...]

  10. SEO Essen Says:

    Sehr guter Artikel!

    Die gleiche Beobachtung habe ich in meinem Artikel beschrieben: http://www.online-marketing-scholten.de/blog/panda-sichtbarkeit-traffic/

    Bei einem kleinen Projekt was ich betreue, ist ein Keywords was ein recht hohes Suchvolumen hat, aber nicht sonderlich gut gerankt hat, ins Nirwana gefallen. Kein bisschen Traffic-Verlust, aber der Sichtbarkeitsindex sah bedrohlich aus :)

    Viele Grüße
    Christian

  11. Dave Says:

    Sehr guter Artikel und mit der Aussage, dass der SI im Prinzip wenig über den Erfolg eines Unternehmens aussagt, kann ich Dir nur zustimmen.

    Im Prinzip kann eine Seite auch eine Sichtbarkeit von 0,01 haben und jeden Monat mehrere tausend € verdienen. Hauptsache man steht mit einem Keyword in Google.

    Einzigallein ist entscheidend, was für Traffic auf die Seite kommt. Will der Besucher nur rumsurfen, oder hält er schon seine Kredikarte in der Hand, weil er unbedingt das Produkt will! Zielgerichteter Traffic und Conversion sind hier die Zauberworte und nichts anderes.

    Viele Grüße, Dave

  12. Michael Says:

    Danke für den Artikel.

    Also aus eigennützigen Gründen habe ich mal die Sistrix-Trafficwerte mit Semrush und den Daten aus Google-Adwords-Kampagnen und den Webmastertools verglichen. Und bei einigen Keywords sind mir die Sistrix-Trafficwerte doch sehr mysteriös. Und egal, wie ich die 0-100 deute, logarithmisch oder wie auch immer… bei meinen > 100 überprüften Keywords, komme ich auf keine logische Begründung für die 1-100, die bei allen Keywords funktioniert.
    Und wenn ich davon ausgehe, dass diese Trafficwerte auch für den SistrixSichtbarkeitsindex genutzt werden, muss das Ergebnis ein wenig “schief” sein.

    Gruß,

    Michael

  13. SEO war gestern, SIO ist heute! | Onmarketing.de Says:

    [...] Erläuterungen dazu, haben dass doch schon z.B. Frank Doerr von Seo-Scene oder Thomas Thaler vom Webmarketingblog sehr ausführlich und zustimmungswürdig [...]

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