Samstag , 23 September 2017

Display-Werbung: Totgesagte leben länger

Nachdem ich auf meinen letzten Artikel einige Nachrichten und Rückfragen bekommen habe, steht mir heute ein Experte für Werbeflächenvermarktung Rede und Antwort: Eugen Schmidt ist geschäftsführender Gesellschafter der AboutMedia Internetmarketing GmbH.

  • Lieber Eugen. Ich höre und lese immer wieder, dass Reichweitenkampagnen toter als tot sind. Wie siehst Du das?

Dass Bannerwerbung tot ist, höre ich auch schon seit Jahren, trotzdem freuen wir uns über stetig wachsende Umsätze. Auch Google setzt mit der „Watch this space„-Kampagne einen immer stärkeren Fokus auf Display Werbung. Es gibt im Internet einfach keinen kreativeren Kommunikations-Weg als Display-Werbung bzw. Werbeformate, die damit zusammenhängen. Die folgende Grafik zeigt die Höhe der Ausgaben für Display-Werbung in Europa in den Jahren 2008 und 2009 in Millionen Euro. (Quelle:  IAB, PwC AdEx Report 2009, Seite 20)

Höhe der Ausgaben für Display-Werbung in Europa 2008 und 2009 in Millionen Euro

  • Welche Formate werden denn am Liebsten von den Kunden gebucht?

Seit mehreren Jahren zeichnet sich ein Trend zum Medium Rectangle (ehem. Content Ad, 300*205 pixel) ab. Das liegt vermutlich auch daran, dass in diesem Format TV-Spots am Besten widergegeben werden können.

Zusätzlich setzen wir einen Fokus auf Sonderwerbeformen wie „sitebranding“ und neue, kreative Werbeflächen. Erst vor kurzem haben wir das CinemaAd entwickelt: Hierbei wird die Message des Werbungtreibenden großflächig (250 pixel Höhe) quer über die Seite ausgeliefert und passt sich der Browserbreite automatisch an. Da die Einbindung zwischen den Inhalten ist (kein overlay!), ist sie für die User nicht störend. Ein deutlich sichtbarer „Schliessen“ Button ist obligatorisch.

  • Wir diskutieren oft und gerne über Klickraten. Was ist denn aus deiner Sicht eine gute CTR?

Das vermutlich emotionalste Thema in der Online-Werbung sind die „niedrigen“ Clickraten. Hier über Erfahrungswerte zu schreiben, würde ich als fahrlässig empfinden, da diese von sovielen Punkten abhängen. Die erst kürzlich von uns zusammen mit E-Dialog veröffentlichte Werbemittelstudie bestätigt das. Bei Display-Werbung die Clicks zu messen, ist wie mit dem Ferrari über die Schotterpiste. Da würden wir dann wohl den Jeep bevorzugen. Trotzdem hat Display-Werbung, wie schon mehrmals nachgewiesen, einen wesentlichen Anteil an der Conversionrate bei SEM. Das Geheimnis liegt beim Marketing immer im passenden Mix. Also der Ferrari-Motor im Jeep. *schmunzelt*

Anteil am Werbekuchen

Anteil am Werbekuchen

  • Trend Facebookmarketing – habt ihr da schon Erfahrungen gesammelt, die Targetingmöglichkeiten sind ja angeblich ausgezeichnet?

Facebookmarketing ist sicher ein spannendes Thema, von dem wir aber trotzdem derzeit bewusst die Finger lassen. Leider sind hier bereits zuviele selbsternannte Experten unterwegs, so dasss es für seriöse Anbieter schwer ist, glaubhafte Angebote zu machen. Facebookmarketing passt einfach nicht für jedes Unternehmen und hat seine Grenzen in der Kommunikation. Beides wird leider oftmals überschätzt.

  • Was für Firmen buchen denn aus deiner Erfahrung klassische Onlinewerbung?

Wenn wir von Display-Werbung reden, dann sind es neben den internationalen Konzernen auch viele national tatige Unternehmen. Es freut mich aber, dass auch immer mehr regional tätige Firmen einem neuen Kommunikationskanal aufgeschlossen sind. Ausgereifte Targetingmöglichkeiten machen für die meisten Unternehmen inzwischen Onlinewerbung zu einer sinnvollen Option.

  • Die UrlaubUrlaub.at ist ja bekanntlich euer bestes Pferd im Stall *lacht* Für wen macht die Aboutmedia aber noch die Exklusivvermarktung?

UrlaubUrlaub.at ist tatsächlich ein „heißes Eisen“, welches unser Portfolio perfekt ergänzt. Alle Medien welche im AboutMedia Netzwerk sind, werden exklusiv von uns vermarktet und sind von der ÖWA gemessen. Zusätzlich zu UrlaubUrlaub.at haben wir HEROLD.at, Tupalo.com, Wetter.tv, 1000ps.at, Songtexte.com und Love.at. Mit diesem kleinem Portfolio, welches nur aus Medien mit signifikanter Reichweite besteht, werden wir in der ÖWA mit Jahreswechsel rund 4 Millionen Unique Clients monatlich ausweisen können. Dieser Wert im ersten Jahr des Bestehens macht uns schon mächtig stolz.

  • Wie kann man sich denn die Zusammenarbeit mit einer Agentur vorstellen? Was genau macht ihr da alles?

Wenn wir nicht direkt mit dem Kunden zusammenarbeiten, läuft die Kommunikation meist über eine Media-Agentur, welche die Planung über mehrere Medien im Sinne ihres Kunden übernimmt. Hier versuchen wir, zusammen mit der Agentur mit unseren Ideen & Produkten die optimale Lösung im Sinne des Kunden zu erarbeiten. Diese wird dann samt Angebot durch die Agentur dem Werbungtreibenden vorgelegt, der dann mit Änderungswünschen auf uns zukommt oder den Vorschlag frei gibt. Sobald dann die Werbemittel durch die Agentur erstellt sind, durchlaufen diese bei uns noch technische Tests. Zu Beginn werden die Sujets auf den entsprechenden Medien eingebucht, während der Kampagnenlaufzeit die Positionen optimiert und ex post ein Report mit allen Daten an die Agentur geschickt. Diese sammelt die Zahlen und legt einen gesammelten Report dem Kunden vor.

  • Indiskrete Frage zum Schluss: Was kostet der ganze Spaß?

Die gute Nachricht: Es gibt bei uns nur variable Kosten, keine fixe. Die noch bessere Nachricht: Das Gesamtbudget hängt vom Kampagnenziel ab. Einzelkampagnenliegen aber im 4 bzw. 5-stelligem Bereich. Da wir Vermarkter sind, muss der Kunde auch nur den Medienwert budgetieren.

  • Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg. Vielleicht steht ja auch mal auf unserem Parkplatz ein Ferrari – auch wenn es nach dem vergangenen Wochenende wohl lieber ein RedBull Renault sein sollte 😉
Thomas Thaler
Thomas Thaler ist ausgebildeter Informatiker, Unternehmensberater und Bilanzexperte - bald auch Rechtsanwalt. Der Touristiker aus Leidenschaft und Überzeugung hält auf Konferenzen und in Seminaren immer wieder Vorträge zum Thema Social Media Marketing. Weiters unterrichtet er seit 2005 eMarketing an der Fachhochschule für Management & IT in Innsbruck/Tirol, seine Spezialthemen sind SEO und Geschäftsmodelloptimierung von Portalen.
Thomas Thaler

Ein Kommentar

  1. Danke für das interessante Interview – immer wieder schön zu hören wenn jemand aus Erfahrung spricht :)

    PS: Ein kleiner Vertipper ist mir aufgefallen: Das Bannerformat vom Medium Rectangle ist 300×250 nicht 300×205

    Liebe Grüße,
    Mario Hieber