Dienstag , 26 Juli 2016

Social Media – Kulturrevolution oder Marketing Gedöhns?

Even Google say Facebook is #1„, „Socialnomics: Social Media Revolution„, „Next10: Social Media ist das neue Web„,… sind keine Neuigkeiten.

Headlines wie diese sieht jeder Internet Marketer täglich mehrmals. Doch was ist hier wirklich dahinter? Erleben wir gerade eine Kommunikationsrevolution?

Social media fail

Der Versuch einer kritischen Bestandsaufnahme.

Wird Social Media unsere Gesellschaft verändern?

Nein, denke ich nicht. Ich werde sicher kein besserer Mensch, wenn ich auf Facebook und Twitter poste dass ich gerade aufs Klo gehe. Ja klar, man muss Mehrwert generieren, die Analogie zum Klo bleibt dann allerdings bestehen. Jeder Facebook Nutzer weiss inzwischen was „Oversharing“ ist, und dass zuviel Transparenz auch einmal einen Arbeitsplatz kosten kann, ist inzwischen auch einigen bewusst geworden.

Was steckt nun dahinter?

Aus Marketer Sicht ist das Interessante an Performance Marketing die volle Messbarkeit des ROI aller investierten Werbeausgaben. Investitionen in Social Media haben eher die Tendenz zu „verpuffen“ (von Linkbaits einmal abgesehen, hier kann „ROI“ gemessen werden), den Facebook Fans, Follower auf Twitter oder Views auf YouTube können faktisch nicht monetär bewertet werden.

Versuche der Bewertung gibt es genug: Immerhin wird die Facebook Fanpage von BIPA (mehr als 94 000 Fans) von Vitru mit 495 135 $ bewertet. So weit so gut. Doch was könnte man jetzt, als Inhaber dieser Fanpage,  mit dieser Bewertung anfangen? Die Fanpage verkaufen? An Douglas, DM oder Schlecker?

Eine Facebook Fanpage ist kein zusätzlicher Marketingkanal oder Monetarisierungsquelle, sondern für Firmen eher ein notwendiges Übel. Faktisch kostet die Partizipation in Social Media Geld und Zeit und hat keinen messbaren ROI. Reichweite hat Facebook in Österreich, denn mehr als 2 Mio. registrierte User (Quelle Facebook Ads) sind nicht zu unterschätzen. In einem Medium mit dieser Reichweite nicht vertreten zu sein, kann sich inzwischen fast kein Unternehemen aus dem B2C Bereich mehr leisten. Negativbeispiele gibt es ausreichend dafür. Hier ist ein interessanter Trend zu beobachten, denn anstatt sich im Vorfeld als Unternehmen zu informieren was „Online Reputation Management“ bedeutet und eventuell im Vorfeld eines PR-Disasters eine Strategie auszuarbeiten, fallen die meisten Unternehmen erst auf die Nase, um dann zu realisieren dass mehr als 3 Leute in Österreich aktive Teilnehmer im Bereich Social Media sind.

Somit kann Europa weniger mit Success Stories aufwarten als mit unterhaltsamen Fails.

Das Argument Social Media und Montarisierung wären zwei völlig verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben sollen, lasse ich nicht gelten. Dazu nur das Beispiel UGC (User Generated Content): Von den 10 populärsten, also am meisten gesehenen Videos auf Youtube (Juni 2010) sind 7 (!) professionell produziert worden. Der Rest sind Videos wie Charlie bit my finger, again ! oder Hahaha – Small daring boy, der Unterhaltungswert mag hoch sein, von „Quality Content“ sind wir hier jedoch nicht meilenweit, sondern ein ganzes Universum entfernt.

Ricky van Veen (Cofounder von CollegeHumor.com) hat dazu eine ähnliche Meinung bei seinen 10 Web Content Urban Legends: Denn seine #10 ist:  „People will create good content for you: This is the biggest myth of all.

Professionell produzierter Content bedeutet eine monetäre Investition, und Investition werden nur gemacht, wenn ein ROI in der einen oder anderen Weise gegeben ist. Ein anderes Beispiel dafür sind die allseits beliebten viralen Videos, mit den darauf ständig folgenden Diskussionen, ob das nun ein „Fake“ sei oder nicht. Die Frage sollte eher anders gestellt werden, welches Video ist kein Fake? Beispiele für erfolgreiche virale Kampagnen (und keine erfolgreichen „Unfälle“ oder „gute Ideen“) im Bereich Video gibt es ausreichend: Microsoft mit Megawoosh – Bruno Kammerl jumps, Ray Ban mit Sunglass Catch oder Nike mit Kobe jumps over a speeding car.

Dell hat es mit Twitter geschafft eine Erfolgsstory hinzulegen, aber von einer ähnlichen Erfolgsstory in Europa sind wir, so denke ich, noch weit entfernt. Vorallem wenn man sich die Nutzungszahlen in Österreich ansieht. Digitalaffairs hat alle österreichischen Twitter Accounts genauer unter die Lupe genommen und ist auf  ca. 13 500 aktive Accounts gekommen. Ob diese Zahl dem Hype den Twitter verursacht hat gerecht wird sei einmal dahingestellt.

Die einzigen die mit Facebook wirklich erfolgreich sind ist Zynga mit FarmVille, Fishville und diversen anderen und kommenden „Villes“. Marc Pincus (CEO von Zynga) hat es damit immerhin in die letzte Keynote der WWDC geschafft. Das Publikum war zwar nicht begeistert aber das wird das Einkommen von Zynga sicher nicht schmälern oder deren kolportierten Börsengang beeinflussenZynga hat 2009 immerhin geschätzte 270 Mio. $ verdient und die Schätzung von Techcrunch für 2010 sind sagenhafte 450 Mio. $ (Gewinn, nicht Umsatz). Allein die Mitarbeiterzahl hat sich im letzten Jahr vervierfacht auf 775.

Der nächste große Hype werden sicher Foursquare und Gowalla werden. In den USA bereits groß mit diversen lokalen Promotions vertreten, lässt die grosse Verbreitung in Europa jedoch ein wenig auf sich warten. Die erste lokale Promotion habe ich in Linz schon entdeckt: Bei Swingolf in Linz bekommt man als „Mayor“ bei Foursquare einen „free drink“. Hier heisst es jedoch einmal abwarten und Tee trinken, es wird sich zeigen wie sich diese Plattformen in Europa entwickeln werden.

Ich bin neugierig wie man in 20 bis 30 Jahren die Jahrtausendwende und die folgenden 10 bis 20 Jahre benennen wird. Die 1920er Jahre waren die „Roaring Twenties“ oder die 1960er die „Swinging Sixties“, wie werden unsere Jahrzehnte gennant werden?

Die „Digital Zeros“ oder die „Social Tens“?

Ich denke man kann noch lange nicht sagen in welche Richtung sich Social Media entwickeln wird, dafür gehen wir alle noch viel zu amateurhaft mit diesen neuen Medien um, denn wie virale Videos zum Beispiel wirklich funktionieren, hat bisher niemand erklären können. Eine Herausforderung für die zukunft ist Social Media auf jeden Fall für jeden von uns!

Die Wahrheit wird wahrscheinlich irgendwo in der Mitte zwischen Marketing Kampagnen, Gutmenschen, Werbebudgets, Weltverbesserern, ROI-Liebhabern, und transparenten Nutzern liegen.

Ich geh jetzt auf jeden Fall auf Facebook und schau, was es dort für Neuigkeiten gibt

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Ulf Weihbold
Ulf Weihbold ist Senior E-Commerce Manager bei Red Bull und ist dort unter anderem verantwortlich für RedBullshop.com und RedBullCollection.com. Seine Spezialgebiete sind E-Commerce Management, Konversionsoptimierung, Google Adwords und Web Analytics.
Ulf Weihbold
Ulf Weihbold

7 Kommentare

  1. Wie wenig Twitter sich rentiert muss ich leider auch jeden Tag wieder feststellen, ist also in Deutschland nichts anderes.

  2. Ich würde sagen es ist eine Mischung aus beidem. Es könnte eine Kulturrevolution werden, und wenn ich mir anschaue, was auf der Welt momentan so alles passiert und wie Social Media, den Menschen eine freie Meinungsäusserung hinsichtlich all dieser Themen ermöglich: ja sehr wohl, könnte es eine Kulturrevolution werden.

    Und das Marketinggedöhns? Muss entweder: verdammt gut sein, verdammt unterhaltsam und verdammt ansprechend, oder es wird nicht bestehen. Genauso wie in der klassischen Werbung, ist es die Idee, die zählt. Und wenn du keine guten Ideen hast, die du auf Facebook, Twitter und Co umzusetzen weißt um Dein Produkt zu vermarkten, wird der Schuss eben nach hinten losgehen.

    Nur mitmachen, weil es alle machen reicht nicht.
    Nur rauströten und die Leute damit nerven geht schon garnicht.

    Und wenn Du dir Accounts wie Cocal Cola anschaust: das waren Marken die bereits VOR der Social Media „Revolution“ bestens global aufgestellt waren.
    Imteressant wird es für mich bei Marken/Unternehmensmodells, die sich „auschliesslich“ über Social Media kommunizieren. Aber gibt es sowas überhaupt`?

  3. Ich denke, Anna hat es ziemlich gut getroffen. Ohne zündende Idee geht gar nichts. Viel zu oft kann man im Netz ein rege Kreativitätslosigkeit beobachten, die sicher nichts mit guten Social Media Kampagnen zu tun hat.

    Die Vorstellung Nachrichten ins Netz zu posten und sich darauf Reaktionen, eine breite Leserschaft und Rückmeldung zu erhoffen, hat sich schon immer als falsch erwiesen. Ich denke entscheidend ist immer die Gestaltung der Message und der dazugehörigen Kommunikationswege. Bringt das Lesen und die darauf folgende Interaktion des Users mit der Community einen Mehrnutzen, ist man jedenfalls schon in die richtige Richtung unterwegs.
    „Verdammt gut“ wäre meiner Meinung nach also der richtige Ansatz 😉
    Davon hängt sicherlich auch die weitere Entwicklung der Sozialen Netzwerke ab und deren Relevanz für das Marketing ab.

  4. Social Media – ein Begriff der mittlerweile schon so abgtragen ist, dass er wöchentlich die Titelseite der Computer Bild füllen darf. Derzeit nennt man es noch „Media“ also ein Medium. Es wird jedoch nicht mehr lange dauern, dann können wir es Social Life nennen. Spätestens wenn das Computerarmband oder ein implantierter Chip das iPhone abgelöst haben, leben wir in dieser Welt, die ohne derartige Netzwerke sehr wahrscheinlich nicht mehr funktionieren wird.

    Wenn man etwas in die Vergangenheit blickt haben Soziale Netzwerke schon immer unser Leben bestimmt, früher nannte man es eben Vitamin B, heute Facebook & Co.

    Aus meiner Erfahrung als Affiliate Marketer heraus kann ich euch sagen, dass ehrliche Social Media Kampagnen eine effiziente Möglichkeit sind sein Geld schnell loszuwerden. Klar, die Abzockgeschichten mit Free Trial Diätpillen und kostenlosen Klingeltönen haben in den ersten paar Tagen nach FB Ads Launch wirklich gutes Geld gebracht. Ich kenne jedoch niemanden der mit seriösen Lead / Sale Kampagnen über einen längern Zeitraum konstant Geld verdient hat. Natürlich gibt es auch im Social Media Bereich Nischenmärkte & Nischenländer mit denen sich Geld verdienen lässt, doch die CPCs/CPMs sind im deutsch- und englischsprachigen Raum viel zun hoch. Wenn ich für 10 Cent einen shoppingwütigen Besucher von einem Preisvergleichsportal bekomme, werde ich keine 40 Cent für einen Facebookuser ausgeben, der aus Langeweile meine Anzeige klickt. Die großen FB Marketer haben zudem vollautomatisierte Tools, die

    1. Framdanzeigen für jede erdenkliche Zielgruppe abgreifen und ggf. clonen und 2. 10.000 Anzeigen für diverse Nischen erstellen, die 98,5% nicht profitablen Anzeigen nach kürzester Zeit wieder abstellen.

    Mit der Aussage, dass Investitionen nur gemacht werden, wenn ein ROI in der einen oder anderen Weise gegeben ist bin ich nicht ganz einverstanden. Es ist wie mit „Brandingkampagnen“ im Display Bereich. Eine Brandingkampagne ist schnell verkauft und noch schneller aufgesetzt, doch der messbare Erfolg solcher Kampagnen bleibt in den meisten Fällen aus. Gerade jene Werbeagenturen mit „jahrelanger Erfahrung“ und großen Kunden haben oft ein Budget zur Verfügung, von dem ein Affiliatemarketer nur träumen kann, dennoch ist der ROI in der Regel um ein vielfaches kleiner oder gar nicht vorhanden. Für mich ist diese Tatsache einzig und allein auf ein schlechtes Know-How (möglicherweise auf beiden Seiten) in Kombination mit einem guten Verkaufsteam seitens der Werbeagentur zurückzuführen. Aber diese Tatsache finden wir ja nicht nur im Social Media Bereich, sondern in der gesammten Online Marketing Welt wieder. Erst küzlich bin ich durch Zufall wieder auf ein neues österreichisches Unternehmen mit 2 Entwicklern, 3 SEOs, 2 Buchhalterinnen und rund 60 haupt- und nebenberuflichen Verkäufern gestoßen, die gerade die Herolddatenbank durchackern – traurig wenn ihr mich fragt.

    Es ginge jetzt zu weit Social Media Marketing als separaten Marketingkanal zu betrachten, doch ich bin davon überzeugt, dass man gerade im Bereich Kundenbindung und Bedarfsweckung Erfolge erzielen kann. Ob Social Media für Neukundengewinnung tatsächlich das richtige Instrument ist, bezweifle ich persönlich.

  5. Perfekt Aufgebaut mit gutem inhalt, was will man mehr?