Mittwoch , 29 Juni 2016

Was bringt ein eigener URL Shortener?

Dennis hat heute einen spannenden Artikel über das neue Phänomen der privaten URL Shortener geschrieben: immer mehr Suchmaschinenoptimierer nutzen nicht mehr öffentliche URL Shortener wie bit.ly, cli.gs oder redir.ec, sondern installieren auf eigens registrierten Domains eigener Verkürzer.

Dennis nennt auch einige Beispiele:

  • Böser SEO: http://bseo.me
  • Andre http://alpar.at
  • Björn http://ocem.at
  • Dennis selbst: http://tip.pe
  • Malte Landwehr http://landwehr.it

Nachdem ich mich schon im November 2009 für einen eigenen URL Shortener entschieden haben, möchte ich kurz über meine Erfahrungen damit berichten. Bis heute wurden ca. 500 Domains gekürzt die ca. 30.000 Klicks erzeugt haben.

Domain

Ich habe mich damals gegen eine eigene Domain entschieden und verwende die Adresse unserer Hauptdomain ohne www, also http://levelseven.at.
Die Domain ist zwar etwas länger als übliche Shortener, jedoch verwende ich derzeit nur 2 Zeichen nach dem /.
Tippt man die Domains ohne allem ein, wird man auf unsere Homepage www.levelseven.at weitergeleitet.

Software

Natürlich habe ich kurz überlegt, mir den Shortener selbst zu programmieren. Aber warum? Es gibt ja alles bereits fertig; man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Nach kurzer Evaluierung habe ich mich für Yourls entschieden. In meinen Augen eine wirklich gelungene Software, kann fast alles was man braucht und liefert zudem ansprechende Statistiken.

Erweiterungen

Einige Features fehlten mir jedoch, die habe ich kurzerhand reinprogrammiert, auch auf die Gefahr hin, dass ich mir somit die nächsten Software Updates verkneifen werde. Da Yourls leider nicht wirklich Multiuser fähig ist, habe ich mir dieses Feature selbst geschrieben. Da mein Co. Hans-Peter Traunig auch damit arbeitet, wollte ich, dass jeder nach dem Login im Backend nur seine eigenen URLs sieht. War nicht wirklich schwer, aber sehr effektiv. Weiters habe ich Youruls erweitert, dass es die Seitentitel ausliest und mitabspeichert (warum, weiter unten). Und zu guter letzt, das wichtigste:
jede mit meinem Shortener empfohlene URL bekommt einen niedrigen Top Frame mit einigen Zusatzinfos und manchmal inkl. etwas Werbung.

So kann man gleich sehen, dass ich die URL empfohlen habe, kann gleich meine Profile erreichen, die URL per Facebook und Twitter weiterempfehlen oder den Frame schließen. Weiters habe ich nun die Möglichkeit, einen 25 Pixel hohen Werbebanner einzubinden, den ich seit gestern das erste mal nutze, nämlich für unsere SEO Konferenz SEOkomm in Salzburg, die wir gerade organisieren. Ich denke die Werbung ist legitim, nicht zu aufdringlich. Werbung oder der ganze Top Frame sind für selektierte Links abschaltbar.
Ein Beispiel dazu ist hier zu finden.

Backend

Das Backend meines Shorteners kann fast alles was andere auch können inkl. Statistiken. Hier ist zu bemerken, dass man normalerweise gleich massig Klicks aus USA von Bots bekommt, sobald man diesen raustwittert. Da ich diese nicht gezählt haben möchte, habe ich mein Yourls auch um eine eigene IP Blacklist erweitert.
Hier zwei Screenshots der Statistiken:

Backlinks

Backlinks gibt es laut Yahoo eigentlich keine, laut Xovi doch einige. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass die Backlinks ausschließlich auf Twitter Seiten nur kurzfristig auftauchen und dann wieder verschwinden.
Das hat mich ehrlich gesagt etwas enttäuscht, da hätte ich mir definitiv mehr erwartet. Vielleicht ist der Grund ja auch der o.a. Top Frame, wer weiß? Vor allem hätte dies ja unsere Hauptdomain stärken können.
Also zum Aufbau von Backlinks hilft der eigene URL Shortener definitv nicht!

Integration

Yourls bietet den Vorteil, dass es natürlich auch über eine API zum Kürzen verfügt.
Somit kann man es auch seit Version 0.34 in TweetDeck integrieren und die eingegebenen URLs automatisch kürzen lassen.
Dazu gibt man in der TweetDeck Config folgenden String ein:
http://EIGENE.URL/yourls-api.php?action=shorturl&url=%@&username=USERNAME&password=PASSWORD&format=simple
Funktioniert bestens!
Ausserdem gibt es ein passendes WordPress Plugin namens Yourls.
Dieses Plugin kann man so einstellen, dass neue Postings nach dem Publish automatisch gekürzt und getwittert werden.

Was hat’s gebracht?

  • Vor allem dem Wow Effekt. Ich bin unzählige Male gefragt worden, wie ich den mein Bildchen über die Seiten bringe… 😉
  • Unabhängigkeit. Wenn ich schon verkürze und damit twittere und facebooke, warum soll ich die Links dann einem anderen Shortener „schenken“? Ausserdem erinnere man sich an das tr.im Debakel im August 2009, als auf einen Schlag Millionen verkürzter Links das Aus drohte.
  • Flexibilität: siehe unter Erweiterungen weiter oben. Alles ist machbar, man ist auf keinen kostenlosen Dienst angewiesen.
  • Die Daten gehören mir!

Würde ich es wieder machen?

Definitiv JA!

Haben Sie ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht oder planen Sie ebenfalls einen eigenen URL Verkürzer zu installieren?
Ich freue mich über Feedback!

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Oliver Hauser
Oliver Hauser ist Inhaber des Salzburger Unternehmens get on top gmbh und Betreiber des WebmarketingBlog.at, außerdem ist er mit seiner Firma Next Experts GmbH einer der Veranstalter der SEO Konferenz SEOkomm und der Online Marketing Konferenz OMX. Seine Spezialgebiete sind Suchmaschinenoptimierung, Suchmaschinenmarketing und Linkaufbau speziell für Österreich.
Oliver Hauser
Oliver Hauser

30 Kommentare

  1. Hi Oliver, vielen Dank für diesen interessanten und ausführlichen Artikel! Grundsätzlich kann ich deinen Ausführungen nur zustimmen. Ein eigener URL Shortener bringt natürlich viele Vorteile und volle Kontrolle mit sich. Ob man wirklich einen URL Shortener braucht, ist wieder eine andere Sache. Für mich zählt neben der Unabhängigkeit auch der Branding- und Fun-Faktor – alles andere bekommt man sonst ja auch bei etablierten Anbietern.

    BTW: Vielen Dank auch für den Verweis zu meinem Artikel :)

  2. Was die Backlinks angeht, kommt es natürlich darauf an wo du deine shortURLs anbrinst und wie man das Tool einstellt / codet. Langfristig kannst man mit einem eigenen Service hier schon eine nette Linkschleuder bauen. Man könnte zB alte ungenutzte Links auf eine neue Seite weiterleiten :) Ob yourls das kann, hab ich jetzt noch nichts ausprobiert aber mit ein paar Zeilen ist sowas ja schnell selbst gebaut (zwar evtl. ohne tracking) dafür mit backlink funktion :)

  3. Die Integrationsmöglichkeit in TweetDeck kannte ich noch nicht und habe darum bisher auch noch keinen eigenen URL Shortner entwickelt. Ich persönlich (als Besucher) mag diese geframten Sites überhaupt nicht. Für den Kurzurlbetreiber birgt der Platz jedoch kreative Möglichkeiten ;).

  4. Wir haben bei uns einen Shortener auf einer Subdomain unserer Firma am laufen. Vor allem für Links zu AGBs in den Angeboten, Download von Fernwwartungssoftware und Ähnlichem ist das hilfreich. Da wir dafür aber keinen extra Dienst mit Datenbank aufsetzen wollten und es nur eine Hand voll Link sind, haben wir dafür selbst ein kleines Redirect-Script geschrieben. Konfiguriert werden die Short-URLs über eine einfache Textdatei.

  5. @Dennis: da geb ich dir vollkommen recht, BRAUCHEN tut man definitv keinen eigenen URL shortener. der brandinggedanke und der fun faktor sind aber nicht zu verachten.

  6. @jan: hab grad gesehen, dass du das auch schon umgesetzt hast 😉
    http://www.theofel.de/archives/2010/06/eigenen-url-shortener-verwenden.html

    @dominik: das mit den frames ist sicher geschmackssache. ich habe jedoch bis jetzt eigentlich viel gutes feedback gekommen, und die links im frame haben eine beachtliche click through rate. ich experimentiere halt mal gerne…

  7. Hi, ich bin auch ein Fan von dem Yourls Script. Auch mein Hauptgrund für einen eigenen URL Kürzer war es, die schönen Links nicht mehr zu verschenken. Und man stelle sich zudem einmal folgendes Scenatro vor: a) der fremde URL Kürzer schaltet ab und hat mit ein paar hunderttausend Links eine nette Basis für ein neues Projekt, b) was wenn der fremde URL Kürzer ab und zu ein paar Cookies streut und so Affiliate Einnahmen genereiert? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

  8. Kann mich nur anschliessen, wir haben seit Okt. 2009 auch einen eigenen URL-Shortener auf Basis von Yourls in Betrieb auch mit einigen Anpassungen und Verbesserungen mittlerweilen ziehmlich viel 😉

    Nun nach mehr als 1/2 Jahr haben wir vor allem viel Freude an den Statistiken (die wir vor allem ausgebaut haben) dadurch waren eigene virale Verbreitungsstudien möglich.

  9. Hallo Oliver,

    wir würden unser YOURLS gerne auch Multi-User-fähig machen, sodass jeder User nur seine eigenen URLs sieht. Ist das schwierig? Hast du uns Tipps hierfür?

    Beste Grüße nach Österreich
    Laura

  10. Moin, so richtig habe ich die Vorteile davon noch nicht verstanden, ehrlich gesagt. Ich erstelle Internetseiten für Kunden, können die daraus auch einen Nutzen ziehen?

    Im Voraus danke für eine kurze Antwort – Michi!

  11. Das ist wahrlich der große Vorteil bei Yourls:
    „Großer Pluspunkt bei dieser Variante: Alle Daten laufen auf dem eigenen Server und sind absolut privat.“
    ( http://blog.marketingshop.de/aus-lang-mach-kurz-10-url-shortener/ )

  12. Grundsätzlich benötigt man einen URL-Verkürzer meist nur zum Twittern oder wenn man Statistiken über Click-Raten erstellen möchte, z.B. beim Emailmarketing.

    Der Vorteil der eigenen Variante liegt dabei in erster Linie darin, dass man die gewonnenen Daten nicht außer Haus gibt und man natürlich auch, wie in diesem Beitrag beschrieben, eigene Erweiterungen hinzuprogrammieren kann.

  13. Toller Artikel. Aber man kann einen URL shortener auch komplett selbst Programmieren. Siehe: tsrt.tk

  14. Kreuzfahrtblogger

    Ich mach da schon 2 Jahre rum mit ob es nun Sinn hat oder nicht. Das schlimmste dabei ist das ich mir schon einen Yourlserver aufgebaut habe aber noch nie mit gearbeitet hab. :) Für meine ganzen maritimen Blogs denke ich macht es aber langsam Sinn einen eigenen Shortener zu nutzen…

  15. bin gerade auch dabei einen eigenen Shortener umzusetzen und meine Wahl fiel auch auf YOURLS. Besteht die Möglichkeit die modifizierte Variante zu bekommen ? Vielen dank schon im Voraus…

  16. Hallo Oliver,
    Ja, ich plane auch einen eigenen URL-Shortener einzurichten, so bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Vor allem Punkt 2 deines Fazits, die Unabhängigkeit, finde ich so wichtig, dass ich es umsetzen werde.

  17. Ich bin gerade am durchforsten der Möglichkeiten eines eigenen URL-Shorteners.
    Z Zt benutze ich nnoch bit.ly, mit einem DNS A-record umgeleietet von meiner eigenen Subdomain. Damit ist die Zugehörigkeit der Links zu meiner Domain gegeben. Trotzdem bleibt das mindestens theoretische Problem, dass die Links und die kurz Urls bei nicht innerhalb meiner Domaine gespichert sind.

    Was ich mir ausserdem noch überlege, ist, ob es (macht nur Sinn bei einer limitierten Anzahl von Links (50.000 -) möglich wäre, die Kürzel aus einem Dictionary zu befüllen, von wegen Mnemonik. Im Schnit würden zwar etwas längere Kürzel nötig sein, aber die Links können zB auch am Telefon etc weitergegeben werden.
    Kennt jemand dazu bereits eine fertige Lösung ?

    Des Weiteren, mir ist zwar klar, wie mein A-Record mit DNS arbeitet. Wie die Shortener das ihrerseits executen ist mir nicht klar. DIe Lösung, die Ziel-Links in einem Frame einzupacken (Kloaking), würde mir nicht gefallen, einige Seiten wehren sich dagegen (auch die eine oder andere meiner eigenen Seiten), und das erzeugt potentiell mehr unproduktiven Traffik – wenn man nicht noch Banner – oder cookies – einblenden will.

  18. Hallo,

    nutze Yourls auch schon eine weile und habe heute mal wieder rein geschaut. Nun, es sind mehrere tausend Domains aus aller Welt eingetragen und zum Teil auch mit richtig viel Klicks. Habe das ganze mal analysiert und man kann Yourls so wie es aussieht sehr gut für Backlinks einsetzen. Alle Links waren in Google indexiert und auch die Links geben einen Statuscode 200 zurück. Für Google ist das ein normaler Backlink der ja nun auch noch Titel und Seitenbeschreibung indexiert. Ich habe bei mir erstmal die Webmaster Tools und Analytics eingebunden um zu sehen woher der Gesamttraffic kommt. Denke ich werde aber die robots blockieren und eine Länderblockierung einbauen.

  19. Danke für den nützlichen Beitrag! VG Mario