PR für Österreich? Dieses Zwergenland? Nicht gerade viele Firmen, bei denen wir mit diesem Anliegen vorstellig wurden, waren auf Anhieb von der Idee zu begeistern. Aussagen wie „die 15 relevanten Medien, die es in Österreich gibt, kann unsere deutsche PR-Agentur mitbetreuen“ gehörten für den österreichischen PR-Berater zum Alltag.
Frage: Ist Ihnen aufgefallen, dass ich in der Vergangenheitsform schreibe? 10 Mitarbeitspunkte für jeden Leser, der das bemerkt hat.
Doch warum Vergangenheit? Ganz einfach: In der Welt der Öffentlichkeitsarbeit ist nichts mehr, wie es war. Moderne PR heißt nicht mehr nur Medien anbaggern, um sie zu positiver Berichterstattung zu überreden. PR heißt heute wieder das, was Public Relations ursprünglich bedeutet: Öffentliche Beziehungen – und deren Pflege. In der 2.0 Welt kann man Beziehungen nicht mehr nur über den Kontakt zu Radiostationen, TV-Sendern, Zeitungen, Zeitschriften und Redaktionsbüros pflegen – dieser bisher fast ausschließliche Distributionsweg von Unternehmensinformationen ist heute nur mehr ein Mittel unter vielen.
Vertikale Kommunikationsstrukturen
Denn: Kommunikationsstrukturen vertikalisieren sich zunehmend. Zwischenhändler, Mittler und Distributoren von Information – im PR 1.0 Fall Journalisten und Verleger – sind nicht mehr der einzige Weg, um an die Zielgruppe zu kommen. Statt den Umweg über „Zwischenhändler“ zu gehen, wählen immer mehr Unternehmen (auch) den 2.0 Weg: direkt kommunizieren. Und so finden sich immer mehr „Sender“, die ambitioniert mit ihrem Kommunikations-Bauchladen den virtuellen Marktplatz betreten und ihre Informationen feilbieten.
Fragt sich bloß: Wem soll ich meine heißen News „verkaufen“? In der neuen, veränderten Medienwelt keine ganz einfach zu beantwortende Frage. Schließlich könnte jeder der 8.376.761 Österreicher ein potenzieller Publisher sein. Michael könnte Ihre Nachricht retweeten, Sylvia sie auf Facebook viral in Umlauf bringen, Christl könnte Ihr Blog lesen und davon ihrer Nachbarin erzählen, die wiederum trifft Tante Grete – und ehe Sie es sich versehen, klingelt Ihr Telefon, weil Tante Grete wissen will, wo ihre Freundin Mitzi Ihr Produkt kaufen kann.
Online PR: Alle im Blick haben
Das ist ziemlich neu. Viele von uns Social Media Addicts haben schon beinahe vergessen, wie revolutionär dieses Phänomen ist. In meinem Beruf als PR-Agentin kann ich Ihnen nur sagen: Vor einem Jahr traute sich noch kaum ein PR-Profi, Markenbotschaften anders als über klassische Medien zu transportieren. Dass wir – Pressesprecher, PR-Agenturen, Social Media Agenturen – nun auch in die Rolle des Publishers wechseln, ist in der 1.0 Mediendenke geradezu verwegen.
Und doch sind „wir“ nicht die einzigen: Hobbyblogger, Videofilmer, Facebook-User, Foren-Mitglieder, Nachrichten-Kommentierer: sie alle sind „Publisher“. Und so betrachtet hat ein kleines Land wie Österreich – eingangs noch als Zwergenland mit überschaubarer Medienlandschaft abgetan – ein gigantisches Potenzial für Online-PR. Aus den 15 relevanten Magazinen oder Zeitungen ist eine stattliche Horde geworden – nämlich exakt 8.376.761 Menschen. Für die gilt es zu arbeiten. Wenn man seine Online-PR gut machen will.
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Februar 27th, 2010 at 12:37
Stimmt. Allerdings wird Social Media sehr krass gehypt und hat nicht annähernd die Reichweite, wie Blogposts wie dieser es gerne hätten.
Februar 27th, 2010 at 15:01
web2.0 ist doch alles fake! Ich warte lieber auf das web3.0 und mache da dann mit. Das soll nicht so viele Sicherheitslücken haben! *grins*
Februar 27th, 2010 at 18:36
Für Marken und Unternehmen, für die Reichweite zählt, pflichte ich bei, dass Social Media gewiss nicht der einzige Kommunikationskanal sein kann. Würde ein Lebensmittel-Diskonter ab morgen auf seinen Postwurf verzichten, wäre er übermorgen pleite. Aber zum Glück gibt’s nicht nur die Großen, sondern auch viele kleinere Firmen, für die Reichweite gar nicht im Vordergrund steht. Da geht es viel mehr darum, eine spitze Zielgruppe zu erreichen – und dafür finde ich Social Medias ziemlich gut.